Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!
Wie soll bzw. kann ein Leben als Christ aussehen? Im Neuen Testament sind von den verschiedenen Schreibern sogenannte Tugendkataloge überliefert, z. B. in Phil 4, 8, Kol 3, 12, Gal 5, 22-23, 1. Tim 6, 11, 1. Petr 3, 8, 2. Petr 1, 3-7 und Jak 3, 17. Oftmals wird dabei die Liebe ins Zentrum gerückt, ganz besonders in 1. Kor 13. Auch das 13. Kapitel des Hebräerbriefes beginnt mit der Liebe: "Die Bruderliebe soll bleiben.". Es folgt eine Aufforderung zur Gastfreundschaft in Vers 2 und dann der oben stehende Monatsspruch. Aus diesem Vers und auch aus Hebr 2, 18, Hebr 10, 32-34, Hebr 12, 7 und Hebr 13, 13 kann man schließen, dass die Empfänger des Briefes eine Zeit des Leidens und der Verfolgung erlebt hatten und noch erlebten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Hebräerbrief in der Zeit zwischen 64 und 70 nach Christus verfasst wurde. Denkbar ist z. B. dass die Situation der Christenverfolgung unter Nero den Hintergrund des Hebräerbriefes bildet. Gefangener zu sein, war damals nicht vergleichbar mit dem heutigen Strafvollzug. Ebenso wie Kranke waren Gefangene oder allgemein Menschen, die an Erwerbsarbeit gehindert waren, auf die Versorgung durch Verwandte oder Freunde angewiesen. Wer zusätzlich noch misshandelt worden war, benötigte erst recht die Hilfe mitfühlender Menschen.
Vor diesem Hintergrund fordert der Schreiber des Hebräerbriefes seine Leser zur Anteilnahme auf. Dabei geht es ihm natürlich nicht nur um ein "daran denken", sondern auch das daraus folgende Handeln. Das umfasst u. a. Fürbitte, materielle Versorgung mit Essen und Kleidung, Besuche, Spenden zum Loskaufen, Trost und Wundpflege. Solche Art von Verfolgung wie damals erleiden wir heute in unserem Land nicht, aber viele unserer Geschwister in islamischen und / oder totalitär regierten Staaten wie z. B. in Nordkorea, in China, in Pakistan, in Syrien, aber auch in Demokratien, wie in manchen Bundesstaaten Indiens. Allerdings kennen wir kaum Menschen aus diesen Ländern persönlich. Doch aus dem Iran, da haben wir einige Geschwister unter uns, und dort gibt es ebenfalls Verfolgung von Christen, aber auch von allen anderen, die mit dem Regime nicht einverstanden sind.
Ist euch bewusst, dass einige iranische Geschwister unserer Gemeinde aus Glaubensgründen ihre Heimat verlassen mussten oder nicht mehr dorthin zurückkehren können? Wisst ihr, dass Einzelne von ihnen immer noch um ihre Anerkennung kämpfen müssen, zum Teil auch weil sie durch muslimische Übersetzer ihre Gründe im Erstinterview nicht richtig zum Ausdruck bringen konnten? Ihnen droht seit Jahren immer wieder die Abschiebung aus Deutschland, weil ihr Flüchtlingsstatus nicht gesichert ist.
Was kann der Bibelvers in dieser Situation für uns bedeuten? Wir können an ihrem Schicksal Anteil nehmen, indem wir einfühlsam nachfragen. Wir können für sie beten. Wir können sie ggf. mit Begleitung zu Behörden- oder Gerichtsterminen unterstützen. Wir können, wenn es nötig ist, Briefe an Behörden schreiben oder Petitionen unterzeichnen. Wir können sie bei der Arbeitssuche unterstützen. Es gibt viele Möglichkeiten ihnen unsere geschwisterliche Liebe zu zeigen. Es ist schlimm, wenn sie sich mit ihren Sorgen und Nöten alleine fühlen.
Und was können wir sonst noch ganz allgemein tun? Wir können uns informieren. Wir können beten. Wir können spenden. Wir können Petitionen unterstützen. Wir können versuchen Einfluss zu nehmen auf die kommunale Politik, die Landes- und die Bundespolitik. Wir können den dummen, ausländerfeindlichen Parolen, die wir in unserem Umfeld hören, widersprechen und fundiert eigene Erfahrungen dem entgegensetzen. Du weißt immer noch nicht wie? Dann sprich mich an.
Zum Schluss noch einige Links zu Organisationen, die sich u. a. gezielt für verfolgte Christen einsetzen:
Evtl. ist es nötig auf den Web-Seiten ein bisschen zu suchen, aber jetzt habe ich euch auch die letzte Ausrede weggenommen. :-)
Euer Kai Wilhelm
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