Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!
Dieser Monatsspruch für den Februar würde eigentlich besser zum Oktober, zu Erntedank, passen. Und wenn man die Verse davor liest, geht es auch um eine Art Erntedankopfer. In 5.Mo 26 wird nicht ganz ersichtlich auf welche Jahreszeit oder welches Fest sich die Vorschrift zum Darbringen der ersten Feldfrüchte bezieht, möglicherweise ist es sogar das Laubhüttenfest (Sukkot) Ende September / Anfang Oktober, vielleicht aber auch das Wochenfest (Schawuot), ein Erntefest in der Zeit Mitte Mai / Anfang Juni. Die ersten Feldfrüchte sollen zum Heiligtum gebracht werden und das wird verbunden mit einem Rückblick: Gott hat uns aus Ägypten in das Gelobte Land gebracht und mit diesen Früchten haben wir den sichtbaren Beweis, dass wir in dem Land "darin Milch und Honig fließt" angekommen sind. Das ruft in Erinnerung, dass Gott sein Versprechen gehalten hat.
Das ist natürlich ein Grund zur Freude und Dankbarkeit. Deshalb störe ich mich auch nicht an der vielleicht etwas seltsam anmutenden Formulierung "Du sollst" in Verbindung mit "fröhlich sein" und "sich freuen". Freude und Fröhlichkeit sind für uns ja eher spontane Reaktionen auf eine positive Erfahrung und müssen nicht angeordnet werden. Andererseits tut es auch uns gut an etwas Gutes erinnert zu werden und uns bewusst zu machen, dass es Gott ist, der es uns gegeben hat.
So dürfen ich und meine Familie uns an den von Gott geschenkten Gaben erfreuen. So wirkt es zumindest, wenn man den Vers nicht in der Bibel nachschlägt und zu Ende liest. Dort lautet nämlich der vollständige Vers: "11 Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat: du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte." Ach so, also nicht nur ich und meine Familie, sondern auch der Levit und der Fremdling sollen sich freuen. Das geht wahrscheinlich nur, wenn diese auch etwas von den empfangenen Gütern abbekommen. Wie heißt es doch so schön: Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Mich bringt der Monatsspruch ins Nachdenken:
Erstens: Es ist grundsätzlich wichtig Bibelverse - auch Losungstexte, Lehrverse und Monatssprüche - in der Bibel in ihrem Zusammenhang nachzulesen.
Zweitens: Es ist hilfreich mir immer wieder bewusst zu machen, was ich an Gutem empfangen habe. Allzu leicht denke ich zuerst an das, was mir fehlt oder ich auch noch gerne hätte. Vielleicht braucht es doch das "Du sollst …" damit mein Blick auf das bereits Erhaltene gelenkt wird und ich der Freude darüber Raum gebe.
Drittens: Der Monatsspruch richtet meinen Blick auf Gott, der mir Gutes gegeben hat und immer wieder gibt. Das gerät nur allzu leicht in Vergessenheit. Man kann die "Früchte" auch zuallererst mit der eigenen Arbeit in Verbindung bringen. Und mancher Zeitgenosse denkt vielleicht auch an "Mutter Natur" oder biologische Gesetzmäßigkeiten, wenn er Feldfrüchte betrachtet. Der Vers weist mich auf Gott hin, der für mich der Geber guter Gaben ist.
Viertens: All das Gute, das Gott mir gegeben hat, ist nicht nur für mich und meine Familie. Es ist auch für alle, die sich um den Dienst in Gottes Reich mühen und auch für diejenigen, die als Fremde (oder andere Bedürftige) auf meine Hilfe angewiesen sind.
Achtung: Wer diese Gedanken in diesem Monat täglich einnimmt, kann mit Wirkungen und Nebenwirkungen rechnen. Fragen Sie im Zweifelsfall ihren Pastor oder einen Ältesten.
Euer Kai Wilhelm
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