Evangelisch freikirchliche Gemeinde der Baptisten

Was ist eigentlich eine Freikirche?

Diese Frage stand im Raum, als der Interkulturelle Arbeitskreis "Anger" in unseren Räumen tagte. Und meistens ist es ja so:
Was einer sich traut, laut zu fragen, wollen insgeheim auch etliche andere wissen.

Die drei Bestandteile unseres Namens verdeutlichen, worum es geht:

Evangelisch

Wir sind vom Glauben und Bekenntnis her eine evangelische Kirche, die aber organisatorisch und strukturell von der Evangelisch-Lutherischen Kirche unabhängig ist und daher eine eigenständige Kirche ist. Die Wurzeln unserer Bewegung (die Baptisten sind ja nur eine von vielen Freikirchen) liegen in den Jahrzehnten nach der Reformation in Holland und England. Die erste baptistische Gemeindegründung hat 1609 in Amsterdam stattgefunden.

Damit sind zwei Irrtümer aufgeklärt, die uns häufig begegnen: Die Baptisten stammen nicht aus Amerika, und sie sind auch keine neue Kirche des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern in der nachreformatorischen Zeit auf dem europäischen Kontinent entstanden. Dass die Baptisten in Deutschland eine Minderheitskirche sind, hat schlicht historische Gründe: Es gab einfach nicht die Entfaltungsmöglichkeiten, die es in anderen Ländern gab. Längst nicht nur in den USA, sondern auch in manchen afrikanischen und asiatischen Ländern sind die Baptisten relativ stark vertreten.

Freikirchlich

Das ist das zweite Stichwort, und es klang schon an: Eine Freikirche ist eine christliche Kirche, die organisatorisch und finanziell von den großen Kirchen unabhängig ist und gleichermaßen auch vom Staat (wir sind nicht Teil des Kirchensteuersystems).

Freiwilligkeit wird bei uns groß geschrieben. Das fängt mit der Mitgliedschaft an. In unsere Kirche wird man nicht hineingeboren. Die Kinder unserer Gemeindemitglieder sind keine Mitglieder, bis sie selber einmal den Schritt gehen und Mitglied werden – manche tun das schon als Teenager, andere im Erwachsenenalter und wieder andere orientieren sich grundsätzlich anders. Eine Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist der persönliche gelebte Glaube an Jesus Christus. Das heißt, dass wir in unserer Kirche ausschließlich Mitglieder haben, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, hier Mitglied zu sein.

Das sind derzeit ungefähr 250 Mitglieder bei uns in der Äußeren Brucker Straße, die über ganz Erlangen verstreut wohnen bis in die angrenzenden Landkreise hinein. Die komplette Finanzierung unseres Gemeindelebens inklusive der Personalkosten und dem Unterhalt der Immobilie geschieht durch freiwillige finanzielle Beiträge der Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinde. Dieses Modell der Mitgliedschaft bringt es mit sich, dass wir eine sehr hohe Quote an aktiven Gemeindemitgliedern haben.

So haben wir zum Beispiel einen Gottesdienstbesuch von durchschnittlich 220 Erwachsenen am Sonntagvormittag, dazu kommen noch die Kinder, die den Kindergottesdienst besuchen. Im letzten Herbst haben wir einmal eine detaillierte Erhebung gemacht, wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter wir eigentlich haben. Das Ergebnis hat uns fast umgehauen: 188 Mitglieder sind an einer oder mehreren Stellen im Gemeindeleben aktiv.

Gemeinde

Das dritte Stichwort. Wir sprechen eigentlich lieber von Gemeinde als von Kirche, weil der Begriff Gemeinde zum Ausdruck bringt, dass es um gelebte Gemeinschaft geht. Uns sind die persönlichen Kontakte wichtig.

Außer den Gottesdiensten gibt es daher in unserer Gemeinde Gruppen für Frauen, Kinder und Jugendliche, Senioren und auch einen spanisch- sowie einen französischsprachigen Bereich der Gemeindearbeit, wo es die Möglichkeit zum Austausch und zur Begegnung gibt. Viele Gemeindeglieder treffen sich auch in Hauskreisen – das sind regelmäßige verbindliche Treffen von acht bis zehn Leuten in den Wohnungen der Gemeindeglieder.

Baptisten

Dann gibt es da noch ein viertes Stichwort, das bei manchem ein Fragezeichen aufwirft: Baptisten.
Dieser Begriff spielt auf einen inhaltlichen Unterschied zu den großen Kirchen an. Im Begriff "Baptisten", der aus der griechischen Sprache stammt, steckt das Wort für "taufen". Baptisten taufen keine Säuglinge. Die Taufe ist nach unserer Sicht und nach unserem Verständnis der Bibel Menschen vorbehalten, die sich selber bewusst für die Taufe entscheiden, um durch die Taufe ihrem Glauben an Jesus Christus Ausdruck zu verleihen.

Aber auch wenn manches bei uns anders ist – das Miteinander mit den Christen anderer Kirchen ist uns wichtig, denn der Glaube an Jesus Christus ist es, der uns über alle Kirchengrenzen und Unterschiede hinweg als Christen miteinander verbindet.

Wenn Sie also das nächste Mal an unserem Gemeindezentrum vorbeigehen, brauchen sie sich nicht mehr ratlos fragen: Was um alles in der Welt ist eine Freikirche ….