Wort zum Monat Oktober

Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. | Jakobus 1, 22

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Dieser Monatsspruch ist ein kurzer und scheinbar leicht verständlicher Satz. Was soll man dazu noch schreiben? Ist etwa irgendetwas noch unklar? Doch je mehr ich den Vers auf mich wirken lasse, um so mehr kommen Fragen auf: Welches Wort ist hier gemeint? Was heißt es, dieses Wort zu tun? Worin bestünde der Selbstbetrug, wenn man das Wort nicht tut?

"Das Wort" - da kommt mir einiges in den Sinn: Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes. Doch diese Bedeutung passt nicht recht zum "Täter des Wortes". Manche würden das Wort auf das Gesetz beziehen, das es zu tun, also einzuhalten gilt. Man kann aber auch das ganze Alte Testament unter dem Wort verstehen, also inklusive aller Verheißungen und Hinweise auf den Messias. Oder ist mit dem Wort vielleicht das verkündigte Evangelium gemeint? Wenn man den Textzusammenhang liest, findet man "Wort" bereits in V. 18 und 21: "18 Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir die Erstlinge seiner Geschöpfe seien." bzw. "21 Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen." Vom Wort der Wahrheit ist insbesondere auch in den Paulusbriefen öfter die Rede, z. B. in 2.Kor 6,7, in Eph 1,13 und in 2.Tim 2,15. Dort erscheint es wie ein feststehender Begriff für das Evangelium. Das passt auch zu dem Bild, dass das Wort in uns eingepflanzt wurde und die Kraft hat uns selig zu machen, zu retten. Die in V. 18 erwähnte Geburt ist dann nicht unsere natürliche Geburt, sondern die Wiedergeburt. So scheint es recht plausibel, unter dem "Wort" das verkündigte und gehörte Evangelium zu verstehen.

Doch was soll es dann heißen ein Täter dieses Wortes zu sein? Zunächst einmal stelle ich fest, dass das Hören des Evangeliums allein niemanden zu einem Christen, einem Nachfolger Jesu macht. Das gehörte Wort der guten Nachricht von der Rettung verlorener Menschen durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz, verlangt nach einer Antwort, einer Reaktion. Wie stelle ich mich dazu? Stimme ich mit Gott überein, dass ich ein erlösungsbedürftiger Mensch bin oder lehne ich diesen Gedanken ab? Vertraue ich darauf, dass Jesu Opfer auch mich retten kann oder will ich mich selber durch eigenes Tun erlösen? Bin ich bereit Jesus Herr sein zu lassen auch über mein Leben? Bin ich bereit diesem Herrn zu gehorchen und in seine Fußstapfen, in seine Nachfolge zu treten? Es ist die Herausforderung des Evangeliums, sich diesen Fragen zu stellen und eine Antwort zu geben: Ja, auch ich brauche Erlösung! Ja, ich glaube, dass Jesu Tod am Kreuz auch meine Schuld tilgt und mich frei macht! Ja, Jesus soll auch mein Herr sein! Ja, Jesus, dir will ich folgen! Wer diese Antworten ernst meint, der hat das Evangelium, das Wort, nicht nur gehört, sondern bei dem hat sich etwas verändert, bei dem hat sich etwas getan. Er wurde durch das Wort zum Täter (im positiven Sinne). Das Wort bringt diesen Menschen in Bewegung, denn Nachfolge ist nie statisch, kein Stillstand, sondern dynamisch, eine Bewegung hin zu Jesus und los mit Jesus und Jesus hinterher. Der Mensch tut, wozu ihn das Wort herausgefordert hat.

Und was wäre der Selbstbetrug? Vielleicht indem es bei einer emotionalen Ergriffenheit über die wunderbaren Worte der Predigt vom Evangelium bleibt. Oder wenn ich nicht glauben kann (oder will?), dass das auch mir gilt. Oder wenn ich die angebotene Rettung super finde, aber dabei bleibe, dass mein Leben immer noch ich selbst bestimme. Oder wenn ich einen Anfang mit Jesus mache, aber dann stehe bleibe, weil sich möglichst nichts in meinem Leben ändern soll - es gefällt mir nämlich doch ganz gut, so wie es ist.

Wenn diese Auslegung den Kern des Bibelverses trifft, dann geht es hier nicht um die Erfüllung von Geboten, wie man zunächst meinen könnte. Das bestätigt sich, wenn wir nach unserem Monatsspruch weiterlesen. Da kommen nämlich folgende Gedanken: "23 Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; 24 denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. 25 Wer aber sich vertieft in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seinem Tun." Das heißt doch, der Täter des Wortes gewinnt den Durchblick auf das vollkommene Gesetz der Freiheit. Er ist frei von der Schuld, frei von aller Illusion über sich selbst und frei von den Forderungen des Gesetzes. Und gerade dadurch ist er frei zu einem neuen Tun aus der Gnade und in der Kraft des Heiligen Geistes. Es ist nicht mehr ein eigenes Tun, nicht mehr ein Tun aus eigener Kraft. Sondern es ist ein Tun von Gottes Willen in seiner Kraft, ein Tun, in dem wir glücklich sein dürfen. Dazu möchte uns der Monatsspruch ermutigen.

Euer Kai Wilhelm

 

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