Wort zum Monat Oktober 2020

Gedanken zur Bibelstelle

Jeremia 29, 7

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.    Jeremia 29, 7

 

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Vollständig lautet der Bibelvers aus Jeremia 29,7:

"Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl."

Aus der kleinen Auslassung wird etwas von der konkreten historischen Situation deutlich, in der der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes an das Volk Israel schreibt. Die Adressaten sind im babylonischen Exil, also nach der Niederlage gegen die Babylonier entgegen ihrem Willen fern von der Heimat. Und da stellen sich natürlich Fragen, wie man damit umgehen soll: Passiver Widerstand gegen die Feinde oder soll man sich arrangieren mit der misslichen Lage? Depressive Verzagtheit oder Vertrauen auf eine Zukunft mit Gott? Verzweiflung oder Hoffnung? In diese Lage hinein erreicht die Israeliten Gottes Wort: "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN." Die unmittelbar anschließende Begründung ist durchaus nachvollziehbar: "Denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl." Trotzdem werden manche gedacht haben: Das Beste suchen und beten für diese heidnische Stadt unserer Feinde - das kann doch wohl nicht wahr sein!

Was kann das für uns bedeuten? Ich halte diesen Text für sehr aktuell, sind wir doch auch in einer Krisensituation. Und manche stellen sich heute ähnliche Fragen. Gibt es übermächtige Feinde, die uns die derzeitige Situation aufgezwungen haben? Soll man Widerstand leisten oder doch das Beste aus der Situation machen? Jeder kann sich selbst prüfen: Bin ich voller Wut oder Verzweiflung über die Einschränkungen mancher Freiheiten? Oder habe ich etwa Hoffnung, die ich mit anderen teile? Prägt mich Angst vor der Pandemie oder den Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung? Oder habe ich eine Zuversicht, die mich auch in dieser Zeit trägt?

"Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN." Dieses Wort wendet den Blick von mir und meiner Befindlichkeit hin zu Gott und zu den Menschen, unter denen ich lebe. Die zwei mit einem "und" verbundenen Aufforderungen gehören dabei auch inhaltlich eng zusammen. Wenn ich das Beste für die Gesellschaft bzw. das Staatswesen suche, in dem ich lebe, ist es naheliegend dafür im Gebet vor Gott zu sein. Und wenn ich für etwas bete, dann werde ich dafür nach dem Besten trachten und mich nicht dagegen wenden oder versuchen dieser Gemeinschaft zu schaden oder sie zu zerstören.

"Suchet der Stadt Bestes", das heißt für mich heute, dass ich die Maßnahmen mittrage, die helfen sollen, dass möglichst alle gut durch diese Pandemie kommen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, auch Alltagsmaske genannt, soll in erster Linie dem Schutz meiner Mitmenschen dienen, falls ich unwissentlich infiziert sein sollte. Und auch das Einhalten von Abständen bzw. die empfohlenen Hygienemaßnahmen sind nicht nur für meine Gesundheit gedacht, sondern sollen dem Wohl aller dienen. In unserem Gemeindemotto kommt diese Haltung in den Worten "die Menschen im Blick" zum Ausdruck. Es geht nicht um mich, sondern um uns alle. A - H - A!

Aber auch den Gedanken "Christus im Zentrum" aus unserem Gemeindemotto finde ich in dem Monatsspruch wieder. Dort, wo ich in Christus verankert bin, ist er mein Halt, der es mir ermöglicht gelassen zu bleiben. Ich vertraue darauf, dass er der Sieger über alle widergöttlichen Mächte ist, auch wenn das noch nicht für jeden offensichtlich ist. In ihm habe ich Hoffnung und eine Zukunft, die weit über diese Welt hinausweist. Hier erinnere ich mich selbst wieder an Psalm 2 und meine Predigt vom 16. August. Und deshalb wende ich mich auch an diesen Herrn im Gebet und bitte ihn für unser Gemeinwesen. Ich denke an 1.Timotheus. 2, 1-2:

 

"1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen,

2 für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit."

(1. Timotheus 2, 1-2)

 

Dieses Danken und Bitten für die Obrigkeit will mich leiten und mein Denken prägen. Gebet ist ja nicht meine Anweisung an Gott, sondern das Gespräch mit Gott, bei dem mich seine Gegenwart erfüllen und verändern will.

Abschließend staune ich wieder, wie aktuell die Texte des Alten Testaments für mich sein können, wenn ich mich auf Gottes Wort einlasse. "Gemeinsam für Erlangen" - so will ich mit euch in dieser Stadt leben.

 

Euer Kai Wilhelm