Wort zum Monat November 2021

Gedanken zu Bibelstelle 2. Thessalonicher 3,5

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

 

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns in den Predigten am Sonntag, in der persönlichen Lektüre eines Buches und in wöchentlichen Kleingruppen mit der Frage nach dem Sinn des Lebens: "Wozu um alles in der Welt lebe ich?" Das Buch "Leben mit Vision" des Pastors Rick Warren gibt uns Denkanstöße dazu. Im amerikanischen Original lautet der Titel "The purpose driven life", was die Frage nach dem Zweck und Ziel meines Lebens in den Vordergrund rückt.

Auch unser Monatsspruch gibt eine Richtung an, weist auf ein Ziel hin. Paulus schrieb hier einen Wunsch für die Christen in der Gemeinde in Thessalonich auf, den wir aber auch an uns heute gerichtet lesen dürfen, an die Christen in einer Gemeinde in Erlangen. Der Wunsch des Paulus ist die Ausrichtung unserer Herzen, also des Zentrums unserer Persönlichkeit. Unser Fühlen, Denken und Wollen soll sich nicht in Beliebigkeit verlieren, sondern ausgerichtet, fokussiert sein. Doch es soll nicht auf irgendetwas ausgerichtet sein, wie z. B. Karriere oder Wohlstand. Die Richtung wird durch zwei Begriffe angegeben, die offensichtlich einen einzigen Zielpunkt vorgeben: "die Liebe Gottes" und "das Warten auf Christus".

Die Liebe Gottes aufzuzeigen ist das zentrale Anliegen der ganzen Bibel. Die Liebe Gottes zeigt sich bereits in der Schöpfung, in der Gott den Menschen als sein Gegenüber erschafft. Sie zeigt sich in der Freiheit, die er dem Menschen zubilligt, als er ihm ermöglicht sich auch von Gott zu emanzipieren, was der Mensch auch prompt macht, indem er beschließt, selbst wie Gott sein zu wollen. Die Liebe Gottes zeigt sich aber auch darin, dass er dem Menschen vorher sagt, was die Folge davon sein wird: Er wird sterben, weil er damit die Beziehung zu seinem Lebensspender verliert. Die Liebe Gottes zeigt sich danach in der Berufung von Menschen wie Abraham, Isaak und Jakob / Israel, denen er offenbart, dass er durch sie die Erlösung der Menschen vorbereitet. Und die Liebe Gottes zeigt sich schließlich in Jesus Christus, indem dieser unsere Trennung von Gott samt dem ganzen Mist unserer Verfehlungen, Übertretungen und Unterlassungen auf sich nimmt und für jede einzelne Schuld am Kreuz an unserer Stelle den Tod stirbt, den wir uns eingebrockt haben. Das ist Gottes Liebe, die - wenn uns auch nur ansatzweise dämmert, was das bedeutet - unser Herz berührt. Dass Herz und Liebe zusammengehören, das ist uns vertraut. Und so ist es nur folgerichtig, dass Paulus uns wünscht, dass unsere Herzen auf diese Liebe Gottes ausgerichtet sein mögen.

Der zweite Gedanke ist nicht ganz so geläufig, nämlich dass unser Herz auf das Warten auf Christus ausgerichtet sein soll. Doch das ist eine wichtige Ergänzung zur Ausrichtung des Herzens auf die Liebe Gottes. So lieblich das auch in unseren Ohren klingt, noch ist das Erlösungswerk nicht vollendet. Zwar hat Christus alles Notwendige schon vollbracht, der Sieg steht längst fest, doch noch leben wir in dieser Welt, in der der Böse weiß, dass ihm die Zeit davonläuft. Wir dagegen wissen, dass auf uns am Ende dieser begrenzten Zeit die Ewigkeit in der liebevollen Gemeinschaft mit dem Vater wartet. Aber gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Aufgabe in dieser Zeit begreifen: Es gilt in dieser Zeit das zu trainieren, was in der Ewigkeit allein Bedeutung hat. Deshalb ist das Warten auf Christus kein untätiges Warten, sondern ein freudiges, zupackendes Warten. Es ist vergleichbar mit der Adventszeit. So wie wir uns in der Adventszeit Gedanken machen, wie wir andere erfreuen können, wie wir unsere Wohnungen für das kommende Fest schmücken können, so dürfen / sollen wir uns auch Gedanken machen, was Gott erfreut, wie wir Jesus nachfolgen und ähnlicher werden können, wie wir die Gemeinschaft mit unseren Geschwistern leben können, wie wir andere einladen können ihrem Leben eine neue Richtung, hin zu Gott, zu geben.

Der Bibelvers ist eine Ermutigung zu einem bewussten Leben mit Jesus Christus in dieser Zeit. Welche Facetten das noch alles umfasst, das können uns die Predigten, die Buchlektüre und die Kleingruppentreffen in diesen Wochen aufzeigen. Dazu wünsche ich euch vielfältige geistliche Impulse und den Mut das Erkannte auch im Alltag umzusetzen.

Euer Kai Wilhelm