Wort zum Monat November 2020

Gedanken zur Bibelstelle

Jeremia 31, 9

Unter Weinen kommen sie, mit Erbarmen geleite ich sie. Ich führe sie an Wasserbäche und auf geraden Wegen, wo sie nicht stürzen. Denn ich wurde Israel zum Vater und Efraim – er ist mein Erstgeborener.    Aus Bibel in gerechter Sprache Jeremia 31, 9

 

Mit dem letzten Sonntag im November endet unser Kirchenjahr, nicht bevor wir durch den Buß- und Bettag noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden, dass dieser Sonntag zwei Bedeutungen haben kann. Für die einen ist es der Totensonntag, der daran erinnert, dass mit dem Tode alles Leben endet. Für die anderen ist es der Ewigkeitssonntag, der im Glauben weitersieht auf ein ewiges Leben bei Gott dem Vater allen Lebens.

Der Monatsspruch für November ist dem sog. Trostbuch Jeremias entnommen, den vier Kapiteln, in denen er die liebevollen Zusagen Gottes aufstrahlen lässt über all den Vergehen seines Volkes. Gott ist es ein Herzensanliegen, dass seine geliebten Kinder nicht untergehen, ausgelöscht werden sollen in all den Irrungen und Verstrickungen, in die sie durch Abkehr von ihm hineingeraten sind. Er will sich wie ein Vater wieder seiner Erstgeburt zuwenden. Keiner soll an seiner Umkehr zu Gott als Vater gehindert werden. Es wird eine Wende geben von Gefangenschaft und Trauer um Verluste hin zu einer großen Freiheit, Gemeinschaft und Lebensfreude.

Aus heutiger Sicht können wir dieses alte Trostwort noch besser verstehen, weil wir den Tröster persönlich kennen, der uns freigekauft hat von all unseren Irrungen und Verstrickungen und als Kinder in eine lebendige Beziehung zum Vater gebracht hat. Wir haben die Wende von persönlicher Gefangenschaft zur Freiheit in Christus erlebt. Dennoch stoßen wir an Grenzen, geraten in Nöte oder fallen in Schuld. Darum gilt dieses alte Wort auch uns heute noch, dass wir immer wieder umkehren dürfen zum Vaterherzen Gottes, der uns mit seinem Erbarmen geleiten will.

Das gilt darüber hinaus auch für Situationen, in die wir unverschuldet hineingeraten sind. Jeder kennt seine persönlichen Verhältnisse, die gerade nicht passen.

Auch das Gemeindeleben gefällt uns zurzeit gar nicht durch die Einschränkungen, die wir durch Corona einhalten müssen. Auch wir dürfen hier unseren Monatsspruch in Anspruch nehmen und es dem Herrn klagen und darauf hoffen, dass er uns in dieser Zeit nicht „verdursten“ lässt. Wir dürfen es glaubend auch erwarten, dass Gott uns als Vater mit seinem Erbarmen durch diese Zeit führen und wieder herausbringen wird. Er wird dafür sorgen, dass der Weg nicht zu beschwerlich wird und wir nicht „stürzen“.

Gott ist und bleibt unser Vater, denn Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

 

Er kennt die rechten Freudenstunden,
er weiß wohl, wann es nützlich sei;
wenn er uns nur hat treu erfunden
und merket keine Heuchelei,
so kommt Gott, eh wir's uns versehn,
und lässet uns viel Guts geschehn.

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Strophen 4 + 7 aus
Wer nur den lieben Gott lässt walten
Text 1641 von Georg Neumark

Ingrid Bouecke