Wort zum Monat Juni 2020

Gedanken zur Bibelstelle

1. Könige 8, 39

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Mit Gottes Zustimmung konnte König Salomo den ersten Tempel in Jerusalem erbauen lassen. Nach sieben Jahren Bauzeit kommt dann die große Einweihungsfeier. Anlässlich des Festgottesdienstes spricht Salomo ein Gebet, das uns in 1.Kön 8,23-53 überliefert ist. In diesem Gebet greift Salomo u. a. Worte Gottes auf, die wir im 3. Buch Mose in Kapitel 26 finden können. Dort wird unter dem Grundgedanken "Segen und Fluch" geschildert, was geschehen wird, wenn das Volk Israel Gottes Geboten gehorcht oder was passieren wird, wenn sie sich von Gott abwenden. Aber es kommt auch zur Sprache, dass die Möglichkeit besteht Schuld zu bekennen und zu Gott umzukehren. Darauf nimmt Salomo Bezug, wenn er betet:

"38 wer dann bittet und fleht, es sei jeder Mensch oder dein ganzes Volk Israel, die da ihre Plage spüren, jeder in seinem Herzen, und breiten ihre Hände aus zu diesem Hause, 39 so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder –, 40 auf dass sie dich fürchten allezeit, solange sie in dem Lande leben, das du unsern Vätern gegeben hast."

Salomo bittet also Gott um die Erhörung von Gebeten, die dann gesprochen werden, wenn Menschen in ihrem Herzen spüren, dass sie schuldig geworden sind vor Gott. Er beschreibt damit die Umkehr des einzelnen oder des ganzen Volkes zu Gott, an den sie sich dann im Gebet wenden. Interessanterweise formulierte er "wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst". Ich verstehe das so, dass nur dann Gottes Gabe der Erhörung eintreten soll oder wird, wenn diese Umkehr wirklich im Herzen stattgefunden hat und sich im Lebenswandel zeigt. Der Lebenswandel (man beachte den doppelten Sinn dieses Wortes hier: Lebensveränderung und Lebensführung) ist ja erkennbar, aber das Herz ist für uns verborgen. Doch Gott kennt das Herz jedes einzelnen Menschen ("sein Herz").

Der Versteil, der als Monatsspruch für den Juni gewählt wurde, verallgemeinert das noch einmal: "Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder." Und hier formuliert dieser Text einen universalen Gedanken, losgelöst von Salomo, dem Volk Israel und der damaligen Situation. Gott kennt nicht nur von jedem Menschen "sein Herz", sondern er kennt "DAS Herz ALLER Menschenkinder". Plötzlich bekommen die Worte eine Bedeutung, die auch in unsere Zeit hineinreicht. Hier wird formuliert, dass es über alle Individualität hinaus eine Art gemeinsames Herz der ganzen Menschheit gibt. Herz meint ja in diesem Fall nicht das muskulöse Organ in unserem Körper, sondern die Mitte und den Ursprung unseres Denkens und Handelns. Wenn ich das etwas salopp formulieren darf: "Gott, du weißt ja, wie wir Menschen sind. Wir wollen unsere eigenen Wege gehen, uns nichts von dir vorschreiben lassen. Wir wollen selber wissen und bestimmen, was gut und böse ist. Eigentlich tun wir so, als bräuchten wir dich nicht."

So ist sie, die Menschheit. Gott kennt das. Und er hat darauf reagiert. Auf seine Weise. An Ostern haben wir das gefeiert. Genau deswegen, wegen dieser unserer Gottverlassenheit, ist Jesus Christus am Kreuz stellvertretend für uns gestorben. Ein für allemal. Für alle Menschenkinder. Vertraust du darauf? Wer das in seinem Innersten begreift, dessen Leben verändert sich. Er beginnt Gott ernst zu nehmen, sich ihm zuzuwenden, nach seinen Gedanken zu fragen, sein Wort zu lesen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Dazu möchte ich Mut machen.

Der Vers nach unserem Monatsspruch beschreibt eine Folge der vertrauensvollen Hinwendung zu Gott mit den Worten "auf dass sie dich fürchten". Damit ist nicht gemeint Angst vor Gott zu haben. Damit ist gemeint Gott endlich ernst zu nehmen. Seinen Anspruch an uns, seine guten Gedanken für uns, seine Zusagen an uns. Lass dich darauf ein!

Euer Kai Wilhelm

P.S.: Wer will, darf meine Andacht umformulieren und an den passenden Stellen meine Formulierungen durch fromme Wörter wie "Sünde", "Buße" und "Glaube" ersetzen. Ich freue mich, wenn ihr mir das Ergebnis zusendet. Ich bemühte mich allgemein verständliche Worte zu wählen, die nicht manche Missverständnisse hervorrufen, wie einige fromme Begriffe, die Menschen ohne Bezug zur Kirche falsch oder nur schwer verstehen.