Wort zum Monat Juli 2020

Gedanken zur Bibelstelle

1. Könige 19,7

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

das sieht auf den ersten Blick wie eine ganz allgemeine Lebensweisheit aus: Wer eine große Aufgabe vor sich hat, sollte dafür gut gerüstet sein und entsprechend gestärkt ans Werk gehen. Daran ist erst einmal nichts verkehrt. Ich denke an Wege, die wir als Gemeinde gehen und Dinge, die wir vorhaben. Und ich denke an persönliche Situationen und Wege, die vor uns liegen.

Wie gesagt, daran ist nichts verkehrt. Aber es ermisst noch nicht, worum es in diesen Worten hier geht, die uns in den neuen Monat begleiten wollen.

Elia, das Sprachrohr Gottes, war ganz unten. Auf der Flucht in die Wüste, kraftlos und müde. Er bittet Gott, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Eine tiefe Erschöpfung füllt sein Leben aus, verbunden mit Ängsten, Selbstzweifeln und Resignation.

Das Leben kann uns mit den Dingen, die wir erleben, erschöpfen. Auch auf dem Weg des Glaubens können wir in Phasen kommen, in denen uns die Perspektive fehlt und wir Gottes Gegenwart nicht mehr spüren und nur noch mit Paul Gerhardt singen oder sagen können: Mach End, o Herr, mach Ende ...

Manche meinen, einem gläubigen Menschen könne so etwas doch gar nicht passieren. Nicht nur das Leben, sondern auch die Bibel zeigt uns das Gegenteil. Elia kann, Elia will nicht mehr. Gott weiß um unsere ´Müdigkeiten` im Glauben und im Leben. Aber egal, in welcher dunklen Ecke wir uns gerade befinden, Gott ist immer noch da und weiß, was wir brauchen.

Der allmächtige Gott macht sich auf zu Elia. Er macht kein Ende, sondern stärkt für einen neuen Anfang. Kein ´Reiß dich zusammen!` Sondern liebevolle Fürsorge.

Unser Monatsspruch zitiert nicht ganz korrekt, denn er unterschlägt, dass es hier schon der zweite Annäherungsversuch Gottes ist, Elia wieder auf die Beine zu verhelfen. Gott sorgt für Elia. Er schickt seine Boten mit ganz praktischer Unterstützung. Er kümmert sich liebevoll um Elia und versorgt ihn. Wie oft mag Gott schon seine Boten und Engel in meinen Alltag geschickt haben, ohne dass ich es wahrgenommen habe. Das war doch ´nur` der Bruder X oder die Schwester Y, die mich neu ermutigt haben. Oder mir ganz praktisch mit Dingen geholfen haben, die mir nicht gelingen. Die mich unterstützt haben, als ich selber nicht konnte. Wie oft mag Gott schon Engel in dein Leben geschickt haben, die dir ein Zeichen der Liebe Gottes weitergegeben haben, ganz praktisch und konkret.

Der Engel sagt nicht zu Elia: Du musst mehr beten, dann wird das schon wieder. Er liest ihm auch keine Psalmen vor. Er bringt ihm zu essen und zu trinken. Grundbedürfnisse des Menschen. Ich weiß, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Aber ohne Brot kann er auch nicht leben. Und ich frage mich, ob wir manchmal nicht zu schnell dabei sind, die Dinge geistlich zu überhöhen, die ganz praktisch angegangen werden wollen. Essen und Trinken. Bei Elia hat das damit angefangen, dass er neuen Lebensmut gewonnen hat.

Als ich vor vielen Jahren einmal in so eine ´Eliaphase` schlitterte, waren es nicht Bibelworte, die mir geholfen haben, sondern der schlichte Rat meines Hausarztes: Schlafen Sie sich mal ein paar Tage aus! Offenbar war er damals für mich so etwas wie ein Engel.

Ich finde Gottes Fürsorge für Elia hier sehr berührend. Er überlässt Elia nicht sich selbst, sondern schickt einen Engel, der hilft. Ganz praktisch.

Elia kommt wieder auf die Beine. Erst dann heißt es, auch wieder aufzubrechen. Tatsächlich liegt ein weiter Weg vor ihm. Wohin? Ein Weg – wieder hin in die Gegenwart Gottes. Dafür stand der Berg Horeb, jener Berg, an dem Gott mit seinem Volk Israel einen Bund geschlossen und die Gebote gegeben hatte. Elia bewegt sich wieder auf Gott zu, aber es ist ein Weg. Vierzig Tage und vierzig Nächte. Dort wird Gott ihm dann ganz neu begegnen – und völlig anders, als er es erwartet hat.

Letztlich hat Gott Elia auf dreifache Weise wieder aufgeholfen: Erst einmal ganz praktisch körperlich – essen, trinken und schlafen. Dann seelisch – eine neue Perspektive. Und schließlich geistlich – eine neue Gottesbegegnung. Am Ende des weiten Weges steht Gott selber.

Ich schmälere die Bedeutung der Kraft, die wir durch das Wort Gottes gewinnen, nicht. Aber manchmal sind es die ganz einfachen praktischen Dinge, die nottun. Neu gestärkt können wir uns wieder auf den Weg machen. Beides brauchen wir: Die regelmäßige geistliche Stärkung, um im Glauben gut unterwegs zu sein. Und die ganz praktische Stärkung für die nächsten Schritte, die in unserem Leben anstehen. Mögen wir auch in der immer noch so anderen Situation mit ihren vielen Einschränkungen auf beides achten, das eine vom anderen gut unterscheiden können und im Augenblick erkennen, was gerade jetzt nottut.

Frank Wegen