Wort zum Monat Januar 2021

Gedanken zur Bibelstelle

Psalm 4, 7

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Viele fragen in diesen Tagen: Wer wird uns einen Impfstoff gegen das Coronavirus bringen? Was hilft, die Pandemie zu überwinden? Wann werden wir das Leben wieder ohne Einschränkungen genießen können? Die letzten Monate haben uns schmerzlich bewusst gemacht, wie sehr wir das vermissen, was uns bisher so selbstverständlich schien: Herzliche Umarmungen zur Begrüßung, fröhliches Feiern mit Freunden, unbeschwertes Singen und Musizieren, Arbeiten im Team von Angesicht zu Angesicht, beeindruckende Erlebnisse auf Großveranstaltungen in Sport oder Kultur - all das ist plötzlich eingeschränkt oder verboten, und manches Erlaubte verliert die Unbekümmertheit aus Sorge um die Gesundheit.

Dabei wird uns bewusst, dass das bisher scheinbar Selbstverständliche gar nicht so selbstverständlich ist. Es bewegt mich, dass Menschen anderer Länder einige dieser Einschränkungen bekannt sind. Als junges Paar eng umschlungen durch die Stadt zu gehen, ist in vielen islamisch geprägten Ländern verpönt oder gar verboten. Dass die Ehefrau in der Öffentlichkeit zwei Schritte (ca. 1,5 m Abstand) hinter ihrem Mann zu gehen hat, ist dagegen in manchen Kulturen von alters her verankert. Fast jeder Iraner kann davon berichten, wie es ist, wenn die Polizei eine private Feier mit Tanz und westlicher Musik sprengt. Viele Asiaten tragen schon lange einen Mund-Nasen-Schutz, um sich vor dem allgegenwärtigen Smog zu schützen. Doch hierzulande wähnen sich manche in der DDR zurück, wenn es für ein paar Tage bei ihrem Discounter kein Klopapier mehr gibt. Andere fabulieren von einer CO2-Vergiftung, wenn sie eine Gesichtsmaske tragen sollen. Das Jammern und Schimpfen scheint uns Menschen oftmals näher zu liegen als das Danken. Oder wann habt ihr in der Vergangenheit euch darüber gefreut und dafür gedankt, dass Umarmen, Feiern, Singen, Musizieren, Teamarbeit möglich waren? Das war doch so selbstverständlich!

Den Dichter des vierten Psalms plagen andere, greifbarere Probleme: Andere Menschen verletzen seine Ehre (das ist für orientalische Begriffe wie eine tödliche Verletzung!) und verleumden ihn mit Lügen. Das setzt ihm zu. Er erzählt, je nach Übersetzung, von Angst, von Bedrängnis, von auswegloser Not. Wie geht er damit um?

David - er ist der Dichter - kennt einen Ausweg. Abends, vor dem Schlafengehen, greift der Liedermacher und Musiker zu einem Saiteninstrument und wendet sich in einem Lied an Gott. Zuerst schildert er seine Not, doch sogleich erinnert er sich auch daran, dass Gott ihm schon  oft geholfen hat. Diesem Gott weiß er sich vertrauensvoll verbunden. Er wendet sich nicht nur mit seiner Not und seiner Bitte um Gebetserhörung an Gott. Er spricht auch seine (obwohl nicht anwesenden) Widersacher an und fordert sie sozusagen zur Umkehr auf: Sie mögen Gottes Führung anerkennen, nicht sündigen, rechte Opfer bringen und selbst ihr Vertrauen auf Gott setzen. Und dann kommt ein Satz, der sich wie an imaginäre Zuhörer wendet: "Viele sagen: »Wer wird uns Gutes sehen lassen?« HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!"

Ja, wer wird uns Gutes sehen lassen? Für David ist klar, das ist Gott, der sich uns freundlich zuwendet. Von ihm kommt alles Gute! Als er sich das bewusst gemacht hat, wendet sich seine Stimmung endgültig in eine fröhliche Gelassenheit. Er beendet sein Lied mit folgenden Worten: "8 Du erfreust mein Herz mehr als zur Zeit, da es Korn und Wein gibt in Fülle. 9 Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne." Ich habe keine Ahnung, ob dieses Lied noch am gleichen Abend schriftlich festgehalten wurde oder erst am nächsten Morgen, aber ich spüre förmlich wie David danach friedlich und gut eingeschlafen ist.

Was lerne ich daraus? Erstens will ich viel bewusster wahrnehmen, was ich alles an Gutem habe (auch trotz und sogar in der Pandemie) und Gott dafür Danke sagen. Und zweitens will ich üben meinen Blick weg von den Problemen auf Gott zu richten und mit ihm reden. Seine Zuwendung zu mir und dir, das ist das eigentlich Gute. Wer wird uns Gutes sehen lassen? Gott, der HERR! Ich wünsche allen Lesern für das neue Jahr den Blick in Gottes leuchtendes Angesicht - durch und in Jesus Christus dürfen wir Gott so begegnen. Und drittens zum Schluss: Wenn ihr vor Sorgen nicht einschlafen könnt, dann greift zu Psalm 4. Ganz ohne Risiken und schädliche Nebenwirkungen.

                                                                                                                                                                                                                Euer Kai Wilhelm