Wort zum Monat August 2021

Gedanken zur Bibelstelle

2. Könige 19, 16

Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!

 

Manchmal führt uns der Alltag an unsere Grenzen. Wir fühlen uns eingeengt, ungerecht beschuldigt und ausgegrenzt, unverstanden und gemieden. Oft können wir uns nicht dazu erklären und müssen es stillschweigend dulden. So etwas erleben wir im ganz privaten, wie im beruflichen und möglicherweise auch im gemeindlichen Umfeld. Das Wort Gottes berichtet an vielen Stellen von solchen menschlichen Geschichten. Meist stehen Machtkämpfe dahinter.

So erlebte es auch der König Hiskia. Unser Monatsspruch ist ein Hilferuf von ihm. Hiskia war einer der wenigen Könige nach David, die „taten, was dem Herrn wohlgefiel“. Als er zum König ernannt wurde, war er erst 25 Jahre alt. Er trat die Nachfolge seines Vaters Ahas an, der unter dem Druck der Assyrer das Haus Gottes völlig vernachlässigt hatte. Die Tore des verkommenen Tempels waren verschlossen. Kein Opferrauch. Kein Lobgesang. Hiskia hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Tempel wieder herzurichten, um den Zorn Gottes abzuwenden. Er vertraute Gott bedingungslos und unterstellte sich ihm mitsamt der Verantwortung seines Königsamtes. Immer wieder wird er in den Berichten als ein „Beter zu Gott“ vorgestellt. So auch, als ihn die Assyrer in die Enge trieben und Angst und Schrecken verbreiteten, verstärkt noch durch einen Brief, der, voller Hohn und Spott, Hiskias Glauben an einen Gott, der ja doch nicht eingreifen würde, auseinandernahm. Hiskia war darüber sehr erschrocken, aber er kapitulierte nicht. Denn er nahm den Brief mit in den Tempel und klagte Gott sein ganzes Leid, schilderte ihm die aussichtslose Lage. Seine ganze Ohnmacht und alle Fragen warf er Gott hin. Mit der Bitte, dass Gott doch eingreifen möchte, verband er ein „Dennoch des Glaubens und Vertrauens“, weil es letztlich um die Geschichte Gottes mit seinem Volk ging, für das er sich verantwortlich fühlte und das Schutz und Orientierung brauchte.

Natürlich erleben wir solche starken Herausforderungen heute eher selten. Unter uns kenne ich keine Person, die in solch hoher Verantwortung für ein ganzes Volk steht. Aber ich bestaune die Strategie des Königs Hiskia, der seine Ohnmacht vor dem höchsten Gott eingesteht, sich fest von dort Hilfe erwartet und das weitere Vorgehen danach ausrichtet, was Gott ihm deutlich machen wird.

Auch wir tragen eine persönliche Verantwortung für uns selbst, viele darüber hinaus für einen Partner, eine Familie. Etliche unter uns stehen gemeindlich wie beruflich in leitender Verantwortung. Darum kennen wir das auch, dass unerwartet auftretende Diskrepanzen und Sorgen das Leben schwer machen, wir selbst oder aber Menschen, für die wir Verantwortung tragen, in verschuldete und unverschuldete Nöte geraten und wir hilflos danebenstehen müssen, weil wir keine Lösungen haben. Das zehrt an uns und kann uns völlig den Blick nach vorn blockieren. Dazu fallen uns sicher persönliche Beispiele ein.

Die Strategie des Hiskia, diesem „Dennoch des Glaubens und Vertrauens“, in bedrängten Situationen Raum zu geben, wird sich auch in unseren belasteten Lebenssituationen als hilfreich und zielführend erweisen, damit wir und andere mit uns, im Glauben gestärkt, Gottes Beistand erfahren. Denn auch wir dürfen wie Hiskia rufen:

„Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“

Wir dürfen erwarten, dass Gott hilft. Er hat es uns versprochen. In Jesus ist Hilfe da. In Matthäus 11, 28 - 30 lesen wir: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“

Hiskia bekam damals die Hilfe auf zweierlei Weise. Zunächst ließ ihm der Prophet Jesaja noch während seiner Gebetszeit im Tempel ausrichten, dass Gott selbst eingreifen und die Stadt retten wird. Nur wenig später schickte Gott einen Engel, der gegen die feindliche Armee kämpfte, so dass diese am nächsten Tag den Rückzug begann.

Auch du und ich dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Hilfe und Kraft uns zugutekommen werden, auch wenn es manchmal länger dauert. Dabei kann die Situation sich völlig anders entwickeln, als wir es uns hätten vorstellen können. Denn „Gottes Wille für uns ist das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Römer 12, 2). 

Darum ist es gut, entlastend und befreiend, Gott das Herz zu öffnen, ihm neu das Vertrauen auszusprechen und ihn zu bitten, Leitung und Führung zu übernehmen. Dann wird er Weisung und Hilfe schenken.

Eine große Hilfe kann dabei der Psalm 73 sein, der u.a. auch von dem „Dennoch des Glaubens“ spricht. So ähnlich stelle ich mir vor, hat Hiskia gebetet. Manchmal mache ich mir Worte daraus zu eigen und ende dann gerne mit Vers 28:

das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN,
dass ich verkündige all dein Tun.

Eure Ingrid Bouecke