Wort zum Monat April 2021

Gedanken zur Bibelstelle

Kol 1,15

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.


Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Jesus Christus als Icon (sprich "eiken"). Cool, oder nicht? Vielleicht sind manche jetzt verwirrt, aber zumindest die Jüngeren müssten verstehen, was ich meine. Icons begegnen uns heute bei elektronischen Geräten überall. Es sind jene kleinen Bildsymbole, die man mit dem Finger berühren, mit der Maus anklicken oder mit der Fernbedienung anwählen kann, und schon geschieht etwas. Je nach dem Link, der sich hinter dem Icon verbirgt, wird die zugehörige Aktion gestartet. Es wird eine Datei mit dem entsprechenden Programm geöffnet oder eine App bzw. ein Anwendungsprogramm im Grundmodus gestartet oder eine Programmfunktion ausgelöst oder ein Sender ausgewählt. Egal was, immer hilft ein Icon eine mächtige Funktion, die sich dahinter verbirgt, in Gang zu setzen. Das kleine Icon verschafft Zugang zu mächtigen Funktionen.

Wie komme ich darauf und was hat das mit unserem Bibelvers zu tun? Nun, im Urtext steht für "Bild" das griechische Wort "εἰκών" oder in deutscher Umschrift "eikon". Es kann mit Bild, Abbild, Bildnis oder Ebenbild übersetzt werden. Das englische "icon" hat seinen Ursprung in diesem griechischen Wort und meint entsprechend ein Bildzeichen, ein Symbol, ein Piktogramm. Ein anderes, vielleicht Kunstliebhabern geläufigeres Wort, das davon abgeleitet wurde, ist "Ikone". Ikonen sind Christus- oder Heiligenbilder, die inbesondere von den orthodoxen Kirchen bekannt sind. Sie zeigen z. B. Christus mit einem Heiligenschein vor einem goldfarbenen Hintergrund; zumindest ist das meine erste Assoziation.

Und was hat ein Icon mit Christus zu tun? Warum finde ich das Beispiel cool? Unser Bibelvers sagt zu Recht, dass Gott unsichtbar ist. Keiner von uns hat ihn je gesehen. Er ist viel zu groß, heilig und mächtig, als dass wir ihn sehen könnten. Die Bibel spricht verschiedentlich davon, dass wir das gar nicht aushalten würden. Aber Jesus Christus, der hat auf dieser Welt gelebt. Den konnte man hören, sehen und anfassen. Der Evangelist Johannes beschreibt das so (aus Joh 1,14): "Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater." An anderer Stelle (Joh 14,9) berichtet er, dass Jesus sagte: "Wer mich sieht, der sieht den Vater." Das heißt, durch Jesus Christus sehen wir sozusagen Gott. Er ist das göttlich autorisierte Bild. In ihm hat Gott sich nicht nur offenbart, sondern auch zugänglich gemacht (Joh 14,6). Durch ihn haben wir Zugang zu Gott, dem Allmächtigen, dem Schöpfer von Himmel und Erde - und Schöpfer auch von uns Menschen. Durch Jesus Christus kommen wir sozusagen mit Gott in Berührung und haben Kontakt mit dem, dem alles möglich ist. Alles!

Nun gibt es freilich einen wichtigen Unterschied zum Icon auf einem elektronischen Gerät. Mit dem Icon bestimme ich, was passiert (zumindest soweit es der Programmierer vorgesehen hat). Das funktioniert mit Gott natürlich nicht. Er ist souverän und kann nicht von mir manipuliert werden. Wobei das auch bei Icons nicht immer funktionieren muss. Dort kann auch die Meldung kommen: "Die gewünschte Aktion konnte nicht ausgeführt werden. Ihnen fehlt die erforderliche Berechtigung. Bitte melden Sie sich als Administrator an." Scherzhaft wird deshalb die Administratorenrolle unter Computer-Fachleuten manchmal auch Gott-Modus genannt.

Was mir wichtig geworden ist bei diesem Halbsatz aus Kol 1,15: Wenn wir Jesus anschauen, bei der Beschäftigung mit seinem Leben, sei es beim Bibelstudium in der persönlichen Stillen Zeit oder beim Austausch in einer der von Florian Boeffel initiierten Oikos-Gruppen, dann begegnen wir dem unsichtbaren Gott. Wow! Ist das nicht cool?

Jetzt bleibt mir vor lauter Begeisterung nicht mehr viel Platz für den zweiten Halbsatz unseres Bibelverses, aber auch der ist wichtig. Denn mit dem oben Geschriebenen könnte man vielleicht meinen, Jesus Christus und Gott seien getrennt zu sehen: Gott, das Original, und Jesus, sein Abbild. Aber so ist das nicht gemeint. Gott und Jesus Christus sind untrennbar eins. Wieder im griechischen Original steht für "Erstgeborener" ein Wort mit den Anfangsbuchstaben "proto". Dahinter verbirgt sich die Silbe "protos" als Superlativ für "pro". Damit wird ausgedrückt, dass etwas oder jemand nicht nur vorher da war, sondern zuerst, als Allererstes, von Anfang an. Die Bedeutung ist also, dass Jesus Christus als Erstes, von Anfang an - wie eben der Schöpfergott - da war (siehe auch Kol 1,16f). Er ist also mit dem Schöpfergott identisch, denn vorher gab es nichts, sondern nur Gott, der war und ist und bleibt. "Erstgeborener" ist Jesus Christus auch insofern als seine Jünger die von Neuem Geborenen, die Wiedergeborenen sind (vergleiche Kol 1,18). Wir sind in ihm eine neue Schöpfung (2. Kor 5,17).

So wünsche ich uns, dass uns dieser Vers ermutigend durch diesen Monat (und darüber hinaus) begleitet. In Jesus Christus haben wir Zugang zu dem allmächtigen Gott. Findest du das nicht auch cool?

Euer Kai Wilhelm