Sei doch barmherzig!

Predigt zur Bibelstelle Lukas 6, 36

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 

 

kurze Zusammenfassung

  • Jesus spricht etwas an, was sozusagen zur DNA der Christen gehört und etwas von der Ethik des Reiches Gottes sichtbar macht, die sich nicht aus allgemeiner Humanität ableitet, sondern an Gott orientiert.
  • Jakobus unterstreicht das: ´Die Weisheit von oben ist ... voller Barmherzigkeit.` 3,17
  • Barmherzig sein bedeutet: Sich das Herz rühren lassen für die Armen und aus dem Berührtsein heraus aktiv werden. Herz und Hand zusammen, das macht Barmherzigkeit aus.
  • Der Begriff ist dem Lateinischen entlehnt: Misericordia - ein Herz für die Elenden/Armen/Unglücklichen -> eine Herzensöffnung zu den Armen (im weitesten Sinne) hin
  • Im Gleichnis vom ´barmherzigen Samariter` illustriert Jesus, wie die frommen Männer an dem Notleidenden vorübergehen (Fromme sind nicht automatisch barmherzig), der Samariter aber sein Herz öffnet und dem Notleidenden umfassend hilft.
  • Der Kontext unseres Verses ist bemerkenswert und provokant: Unmittelbar vorher ´Gott ist gütig gegen die Undankbaren und die Bösen` und unmittelbar hinterher ´richtet nicht!`.
  • Barmherzigkeit sieht den Menschen in seiner ganzen Bedürftigkeit, egal wie er sich nach außen gebärdet, und öffnet das Herz zu ihm hin.
  • Zu dieser Barmherzigkeit werden die Jünger Jesu aufgefordert, und zwar mit der Begründung: Gott selber ist barmherzig. So begegnet er schon durch das ganze Alte Testament hindurch und so zeigt er sich auch in seinem Sohn Jesus Christus. Jesus zitiert das Alte Testament: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.
  • Barmherzigkeit ist keine starre Norm, bei der man immer genau wüsste, was man zu tun hat, sie setzt eine ganz enge Verbindung zu Jesus voraus.
  • Wir legen viel Wert auf gute Strukturen, Konzepte und Programme, aber was Gott vor allem anderen will, ist Menschen, die ihr Herz für den Nächsten in seiner Bedürftigkeit öffnen.