Nicht wörtlich nehmen

Predigt zur Bibelstelle Matthäus 16, 5-12

5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen.

6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's sein, dass wir kein Brot mitgenommen haben.

8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt?

9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die fünf Brote für die fünftausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt?

10 Auch nicht an die sieben Brote für die viertausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt?

11 Wieso versteht ihr denn nicht, dass ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

12 Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

 

kurze Zusammenfassung

  • Am Anfang steht ein Missverständnis: Während die Jünger gedanklich beim vergessenen Abendbrot sind, benutzt Jesus den Sauerteig als Metapher für ein ganz anderes Thema.
  • Es entwickeln sich zwei Themen in der kurzen Szene: Jesus ärgert sich über seine Schüler - schon so oft haben sie erlebt, dass menschliche Grenzen nicht Gottes Grenzen sind und dass sie sich nicht zersorgen müssen über die Dinge des Alltags, weil Jesus noch Möglichkeiten hat, wo wir keine mehr sehen.
  • Dennoch, in der neuen Situation ist das wie weggeblasen und sie sorgen sich erneut: Kleinglaube nennt Jesus das.
  • Glaube und Vertrauen sind nicht konservierbar, sondern wollen immer wieder neu gewagt werden.
  • Dann kommt Jesus auf sein eigentliches Thema zurück: die Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer. Sauerteig ist eine häufiger verwendete Metapher.
  • Das Bild bedeutet: Etwas mag klein anfangen, aber entwickelt eine stetige und unaufhaltsame Dynamik, die das Ganze durchdringt, so wie der Sauerteig das ganze Mehl durchsäuert.
  • Jesus bezieht das Bild auf die Lehre der Pharisäer und Sadduzäer, zweier Gruppen mit sehr unterschiedlichen Positionen, der Gemeinsamkeit die Gegnerschaft zu Jesus war.
  • Die Pharisäer standen für eine strenge Gesetzesobservanz und Leistungsfrömmigkeit, aber auch für eine hohen Stellenwert von Traditionen.
  • Die Sadduzäer standen für die Leugnung des Auferstehungsglaubens und der Messiaserwartung und für eine enge Zusammenarbeit mit der römischen Besatzungsmacht.
  • Jesus warnt vor den Lehren der beiden Gruppen, dass sie wie Sauerteig die ganze Gesellschaft durchsäuern, wenn man nicht dagegen hält.
  • Auch wir stehen heute in der Verantwortung, gesunde evangeliumsgemäße Lehre im Blick zu halten und einer neuen Gesetzlichkeit genauso zu wehren wie einem Untergraben des Glaubens im Namen der Vernunft.
  • Das Bild vom Sauerteig ist aber auch in einem weiteren Rahmen bedeutsam und ruft zur Aufmerksamkeit zum Beispiel gegenüber Fake-News, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit oder gegen über Hate-Speech, Beleidigungen und Beschimpfungen. Wie Sauerteig durchsäuern sie unsere Gesellschaft. Wir sind wachsam, halten dagegen und weisen diese Dinge zurück.