Wort zum Monat Oktober

Gedanken zur Bibelstelle Psalm 38,10

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.  (Psalm 38,10)  

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!  

Anfang des letzten Monats hat Pastor Bernd Heise aus Coburg in seiner Predigt (am 09. September) den Wert der Klagepsalmen für unser Leben aufgezeigt. Auch der Monatsspruch ist Teil einer solchen Klage. In der aktuellen Luther-Übersetzung wird Psalm 38 als dritter Bußpsalm bezeichnet und ist mit dem Titel "In schwerer Heimsuchung" versehen worden: 1 Ein Psalm Davids, zum Gedenkopfer. 2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! 3 Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. 4 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. 5 Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. 6 Meine Wunden stinken und eitern wegen meiner Torheit. 7 Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. 8 Denn meine Lenden sind ganz verdorrt; es ist nichts Gesundes an meinem Leibe. 9 Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzens. 10 Herr, du kennst all mein Begehren, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. 11 Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist dahin. 12 Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage, und meine Nächsten halten sich fern. 13 Die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; / und die mein Unglück suchen, bereden, wie sie schaden wollen; sie sinnen Arges den ganzen Tag. 14 Ich bin wie taub und höre nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut. 15 Ich muss sein wie einer, der nicht hört und keine Widerrede in seinem Munde hat.

Davids Schilderung nach zu schließen hat er seelischen Kummer: Er ist bedrückt und traurig, trägt eine zu schwere Last, geht krumm und gebückt, fühlt sich matt und zerschlagen, ist voller Unruhe, fühlt sich kraftlos usw. Dazu kommen anscheinend auch körperliche Auswirkungen, sodass er sich krank fühlt, von eiternden Wunden spricht, über Herzrasen klagt und auch seine Sinne (Sehen und Hören) beeinträchtigt sieht. Obendrein erlebt er noch eine soziale Isolation: Freunde und Nächste ziehen sich scheinbar zurück und seine Feinde sehen ihre Chance gekommen und versuchen ihm zusätzlich zu schaden. Es geht ihm also richtig dreckig.

Bei alledem hat er für seine konkrete Situation eine klare Erkenntnis. Er weiß in seinem Fall  um persönliche Sünde, die er als Ursache seines Leidens erkennt. Das beeinträchtigt seine Beziehung zu Gott, den er in dieser Situation als zornig, strafend und drückend erfährt. Aber damit weiß er auch um den richtigen Ansprechpartner. Seine Klage richtet sich an Gott, und in dem Vers 10, unserem Monatsspruch, macht er sich bewusst, dass Gott sein Seufzen hört und ihn trotz allem sieht. Und er ist sich sicher, dass Gott auch seine Sehnsucht nach Heilung und Erneuerung der Beziehung zu Gott kennt. So verstehe zumindest ich sein "Sehnen". Deshalb wendet er sich an Gott und spricht seine Not aus. Weil er seine Sünde nicht ausklammert, sondern anspricht, kommt er wieder in Einklang mit Gott, der offensichtlich das ganz genauso sieht. Und das leitet eine Wende in seinem Klagen ein. Ich habe oben nämlich den letzten Vers des Psalms unterschlagen. Der folgt hier und lässt David einen hoffnungsvollen Ausblick formulieren:

Vers 16: Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst antworten. Harren ist diese Mischung aus Warten und Hoffen, die er einnimmt und er ist sich schließlich sicher: Gott wird ihm antworten. Und so wie wir Davids Leben aus der Bibel kennen, dürfen wir sicher sein, Gott hat ihm geantwortet. Gott antwortet, auch auf unsere Klagen. Reden wir mit ihm!

 P.S.: Um ein mögliches Missverständnis auszuschließen: Nicht bei jedem Leid gibt es, wie hier bei David, einen Zusammenhang mit einer konkreten Sünde. Wir dürfen das nicht verallgemeinern. Aber dass Gott unser Sehnen kennt, auch unser unausgesprochenes Seufzen hört und wir uns in jedem Leid an ihn wenden dürfen, das gilt allgemein.