Wort zum Monat Dezember 2019

Gedanken zur Bibelstelle Jesaja 50,10

In dunkler Nacht

Entflammt von Liebesqualen,
als schwarz die Nacht einst webte,
o Glück, das ich erlebte!
ging unbemerkt ich aus,
als Ruhe schon befriedete mein Haus.

Wohl auf geheimer Stiege,
vermummt, mit sicherm Schritte,
ging durch des Dunkels Mitte,
o Glück! ich heimlich aus,
als Ruhe schon befriedete mein Haus.

O seligste der Nächte!
Verborgen, sah mich keiner;
mein Führer war nur Einer,
ein Licht, durch das ich sah:
Des Herzens Flamme wies mir, was geschah.

Sie führte mich gewisser
denn Mittagssonnenfeuer
zur Stätte, wo mein Treuer
mein harrete allein.
In diese Stätte drang kein andrer ein.

O Nacht, so hold wie nimmer
das Morgenrot erscheinet!
O Nacht, die du vereinet
dem Bräutigam die Braut,
die umgewandelt sich in Ihm erschaut!

Mein Herz ihm treu und gänzlich,
bewahrt zum Blumenbette,
war seine Schlummerstätte,
wo liebend ich ihn hielt,
indes die Zeder mit den Lüften spielt!

Auroras Haar in Lüften,
es weht zur Morgenstunde,
da fühlt’ ich eine Wunde
am Hals von lichter Hand.
O die Entzückung, die ich da empfand!

Ich lehnt’ an den Geliebten,
mein Antlitz liebestrunken,
und – alles war versunken.
Ich schwand mit allem hin,
die Sorgen ließ ich unter Lilien blüh’n.

Johannes vom Kreuz

… lebte in Spanien und war Mönch im Orden der unbeschuhten Karmeliten. Sein Leben war von radikaler Nachfolge geprägt. 1578 wurde er über viele Monate in einem dunklen Klosterkerker in Gefangenschaft gehalten. In dieser Zeit schrieb er dieses noch heute bekannte Gedicht.

Vielleicht war er von diesem Vers inspiriert, in dem das Vertrauen auf den Herrn von innen her leuchtet:

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn undd verlasse sich auf seinen Gott. 

Jesaja 50, 10

Markus von Linden