Wort zum Monat November

Gedanken zur Bibelstelle Offenbarung 21,2

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Monatsspruch für November 2018 aus Offenbarung 21,2

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser herbstlichen Zeit rücken in den letzten Tagen des Kirchenjahres Bibelworte in den Blick, die auf das Ende aller Dinge schauen.

Wo soll das mit dieser Welt noch hinführen? So fragen sich viele Menschen in unseren Tagen. Die Festnahmen in Chemnitz mit allem, was dahinter steht, bereiten uns große Sorge. Immer wieder Katastrophen mit vielen Toten wie unlängst in Indonesien. Nicht enden wollende Kriege in vielen Teilen der Erde. Armut und Hunger. Wo soll das alles noch hinführen? 

So fragen Menschen nicht erst in unseren Tagen. So haben die Christen schon gegen Ende des ersten Jahrhunderts gefragt. Immer bedrängender wurden sie mit den hässlichen Seiten autoritärer Macht konfrontiert, die sich gegen die Christen stellte. 

Gott, der über allem steht, hat auf diese Frage nicht nur eine Antwort. Er gibt davon sogar etwas preis. Einen Menschen mit Namen Johannes lässt er gegen Ende des ersten Jahrhunderts sehen, wohin das alles führt mit dieser Welt. Und vor allem: wer führt. Was Johannes zu sehen bekommt, soll die Christen ermutigen. Es soll ihnen Hoffnung in schweren Zeiten schenken, weil sie über den Horizont schauen dürfen. Wir Christen sind die einzigen Menschen auf dieser Erde, die etwas über die Zukunft wissen können!

Johannes sieht. Unser Monatsspruch für November zeigt uns einen kleinen Ausschnitt dessen, was Johannes sieht. 

Das erste und wichtigste, was Johannes übermittelt, ist dabei gar nicht das Bild an sich. Das erste und wichtigste ist der Blick auf den Urheber dessen, was zu sehen ist. Es bleibt kein Zweifel: Das, was kommen wird, es kommt von Gott! 

Die beiden wichtigsten Wörter in unserem Vers lauten: VON GOTT! Das Ende dieser Welt ist der Anfang von etwas ganz Neuem und das kommt von Gott. Nicht Menschen schaffen etwas Neues nach all den Wirren dieser Welt. Nicht Irdisches wird ein bisschen aufpoliert und erneuert wie ein runderneuerter Reifen. Nein, Gott selber, der im Anfang alles geschaffen hat, er hat auch alle Zukunft in seiner Hand. In seiner grenzenlosen Kreativität und Schöpferkraft wird er etwas Neues, einen neuen Himmel und eine neue Erde (V.1), schaffen. Wenn wir fragen, wo das alles hinführen solle, bekommen wir die Antwort: In die Zukunft, die Gott selber schaffen wird! Was der Mensch (nicht) zustande bringt, sehen wir tagtäglich. Und unzählige menschliche Versuche, den Himmel auf Erden zu schaffen, sind in Chaos oder Terror geendet. Das Neue kommt von Gott. Er hat die Zukunft in Händen. 

Das zweite, was Johannes übermittelt, ist ein auf den ersten Blick erstaunliches Bild. Die neue Welt Gottes wird uns nicht etwa als Naturwunder mit grünen Wiesen, wunderbaren Blumen und Wasserfällen beschrieben, sondern – als Stadt! Dieses Bild hat dem damaligen Leser vielleicht mehr als uns heute Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Stadt steht dafür, hinter einer Mauer geschützt, geborgen und sicher leben können. Stadt steht für Lebensmöglichkeiten, Gemeinschaft und Kultur. Menschen ziehen heute in die Städte, weil sie dort mehr Lebensmöglichkeiten erwarten. 
Die Stadt der Zukunft ist freilich nicht irgendeine Stadt. Jerusalem. Natürlich nicht das Jerusalem, das wir kennen mit seiner explosiven Mischung aus Kulturen und Religionen, das zum Zankapfel geworden ist. So viele Bemühungen es auch geben mag, das irdische Jerusalem unserer Zeit wieder in ein goldenes Zeitalter zu führen, es wird vergehen. Die Zukunft liegt im neuen Jerusalem, das von Gott kommt und nicht von Menschenhand gemacht ist. Im neuen Jerusalem, das von der Gegenwart Gottes ausgefüllt ist. Wo Gott und Mensch unmittelbarer zusammenleben, als wir es uns je vorstellen können. Und wo Menschen miteinander leben. Die große Zukunftsvision ist keine Ich-und-mein-Gott-Vision. Sie sieht den Menschen in Gemeinschaft. 

Und schließlich: Wunderschön wird es sein. Wie eine Braut, die sich mit viel Aufwand für ihren Bräutigam bereitet. Das neue Jerusalem wird wunderschön sein (wie immer man sich das vorstellen mag …) und für immer untrennbar mit Christus verbunden werden. 

Wo soll das alles hinführen? Diese Frage werden wir vermutlich noch oft stellen, so lange wir auf dieser Erde sind. Aber mit Johannes dürfen wir hoffnungsvoll über den Horizont schauen. Gott selber ist es, der die Zukunft gestaltet. Von seiner Gegenwart wird alles geprägt und wunderschön sein. Durch diesen Fernblick bekommen wir auch eine neue Perspektive auf die Gegenwart. Mancher Schmerz wird bleiben und doch seinen Schrecken verlieren. Diese Ermutigung will uns durch diesen Monat begleiten.

Und wenn das Kirchenjahr dann mit dem Ewigkeitssonntag zu Ende gegangen sein wird, leuchtet das Licht des Christus neu auf. Wir schauen auf den, der in diese Welt gekommen ist und dessen neues Kommen wir erwarten, damit das, worauf wir hoffnungsvoll schauen, Wirklichkeit wird.

Frank Wegen