Wort zum Monat Januar 2020

Gedanken zur Bibelstelle Markus 9,23

"Der Glaubende kann alles bewirken." Markus 9,23

Wieder so ein knackiger Jesussatz. Fünf Worte. Aber was für eine Tiefe in der Aussage – ein Universum tut sich auf. Und – dieser Satz wird uns ein ganzes Jahr lang begleiten, denn er steht unmittelbar vor der Jahreslosung 2020.

Und er steht nach einem: Wenn du kannst, hilf uns.

Ein verzweifelter Vater bringt seinen schwer kranken und von einem Dämon gequälten Jungen zu Jesus.

Jesus ist nicht da – er ist auf einem Berg in der Gegenwart des Vaters.

Die Jünger Jesu sind aber da, die Schüler des Meisters.

Ein paar Kapitel vorher (6,12-13) lesen wir:

"Und sie gingen und predigten Umkehr und trieben viele Dämonen aus und heilten viele Kranke."

Diese Situation war eigentlich nichts Neues für sie.

Der Vater bittet sie, seinem Jungen zu helfen und den Dämon raus zu werfen.

Aber sie schafften es diesmal nicht. Sie waren nicht stark.

Dann kommt Jesus dazu, erkundigt sich was denn los sei – und ist extrem ungehalten über seine Schüler:

"O ihr Ungläubigen, wie lange muss ich es noch mit euch aushalten, wann lernt ihr endlich selbständig zu sein!"

Jesus geht also mit größter Selbstverständlichkeit davon aus, dass seine Schüler diesem Kind helfen könnten.

Warum also nicht ?

Wegen ihres Unglaubens.

Jetzt schauen wir uns noch mal unseren Jesussatz genauer an:

"Der Glaubende, also dem der glaubt, der kann alles bewirken."

Glaube dürfen wir hier aber nicht als positives Denken, als Kraft der Imagination missverstehen. Es ist auch nicht ein Versuch sich selber zu überzeugen, dass man es schon irgendwie schaffen kann. Glaube, so wie Jesus ihn versteht, kommt aus der Gegenwart des Vaters. Er ist geboren aus dem liebenden Miteinander zwischen Gott und Mensch. Ein Vertrauen und ein Gott etwas zutrauen, nämlich dass er jetzt genau in dieser konkreten Situation handelt.

Glaube gibt es auch nicht auf Vorrat, sondern er ist auf das Hier und Jetzt bezogen.

Deswegen geht es auch gar nicht um die Menge des Glaubens.

Jesus tadelt seine Schüler nicht, dass sie zu wenig geglaubt hätten in dieser Situation. Nein er unterstellt ihnen, dass sie überhaupt keinen Glauben hatten, und deswegen gescheitert sind.

Ich weiß, dass ich mit solchen Aussagen beim Einem oder Anderen Stirnrunzeln, Bauchgrimmen oder ein Gefühl der Überforderung auslöse.

Wir müssen (noch nicht) nicht alle Dämonen austreiben oder Schwerkranke heilen.

Aber was wir lernen können, ist es dem Vater zu zutrauen, dass er durch uns im Hier und Jetzt handelt.

Er hat unbegrenzte Kraft und Macht, und deshalb macht dieser Jesussatz absolut Sinn.

 

Rudi Baumgartl