Wort zum Monat Dezember

Gedanken zur Bibelstelle Matthäus 2,10

Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. 

Matthäus 2,10

Was soll man zu so einen Vers schreiben?

Hier meine Gedanken dazu:

Gott hat sich endlich entschieden nach einer langen Wartezeit den ersehnten Retter (Messias) in diese Welt zu schicken. Und wir können zwei unterschiedliche Reaktionsweisen darauf bei Matthäus studieren.

Die eine: Heidnische Astrologen aus Mesopotamien erkennen durch Himmelsbeobachtung, dass etwas Außergewöhnliches geschehen sein muss.

Die ungewöhnliche Konstellation der Himmelskörper deutet darauf hin:

Ein großer Herrscher von weltweiter Bedeutung ist geboren worden.

Und sie wollen dabei sein. Sie rüsten eine Karawane aus und machen sich auf eine beschwerliche, monatelange Reise, um diesen neuen König zu begrüßen und zu ehren.

Die andere: Herodes, sein Hofstaat und die Mehrheit der Bewohner von Jerusalem.

Sie erfahren erst durch diese ungläubigen Ausländer von der Neuigkeit.

Die Reaktion: Entsetzen! Ein neuer König, aber keine von Herodes Frauen ist schwanger oder hat vor kurzem ein Kind bekommen. Ein Skandal!

Die Aussage der Astrologen deutet darauf hin: Es ist kein normaler König, nein es ist der von Gott gesandte Messias.  Die Fachexperten wälzen die heiligen Schriften und kommen zu der ernüchternden Erkenntnis: Er wird nicht in Jerusalem, im Königshaus geboren, sondern in dem Nest Bethlehem.

Herodes, der in seiner Karriere als Herrscher schon oft unliebsame Konkurrenten aus dem Weg geschafft hat, beschließt auch diesmal so zu handeln.

Er will den neuen König beseitigen, aus dem Weg räumen.

Er gibt den Magiern den Tipp, es in Bethlehem zu versuchen.

Und siehe da, als sie von Jerusalem aufbrechen, sehen sie den Stern wieder und sind hocherfreut, weil er sie zu ihrem Ziel führen wird.

Ich erkenne in diesem Text etwas Verstörendes und Provozierendes:

Das Volk Gottes (mit wenigen Ausnahmen) erkennt zwar, dass Gott handelt, lehnt es aber ab, weil es nicht in ihr Konzept passt.

Die gottlosen Heiden werden von Gott in ihren Denkmustern geleitet und geführt, und bei ihrer Suche von den Religiösen, fast wider Willen, auf die richtige Spur zum Ziel gebracht.

Es ist vielleicht heute gar nicht so viel anders.

Während wir in unser frommen Blase sitzen und uns vielleicht ein bisschen verächtlich über die Ungläubigen und ihre Denk- und Verhaltensweisen mokieren, ist Gott gerade bei denen unsichtbar am Werk, um sie zu sich zu führen.

Es braucht oft nur diese Begegnung mit uns, damit wir ihnen auf der letzten Wegstrecke zu ihrem Ziel helfen können.

Sind wir dazu bereit?

 

Rudi Baumgartl