Jahreslosung 2019

Gedanken zur Jahreslosung 2019 aus Psalm 34,15

Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)

Eine Besinnung von Pastor Frank Wegen.

Seit 1930 gibt es im deutschsprachigen Raum die Jahreslosungen: Ein Bibelwort, das uns ein ganzes Jahr lang begleiten soll. Das uns prägen will. Das zentrale Aussagen der Bibel in den Blick nimmt, die sehr grundsätzlich sind und nicht aufgrund aktueller Situationen ausgewählt wurden. Die Auswahl findet ja ohnehin schon vier Jahre im Voraus statt.

Die Losung für 2019 ist sehr eingängig und braucht auf den ersten Blick wenig Erläuterung:

Suche Frieden und jage ihm nach.

Frieden ist ein Dauerthema. Und das nicht erst heute. Schon zu biblischen Zeiten war Frieden ein Dauerthema und gleichzeitig eine Mangelware, nach der sich die Menschen gesehnt haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir sehen unzählige Konfliktherde weltweit. In den 80er Jahren gab es die Friedensbewegung: Menschen haben ihrer Sehnsucht nach Frieden auf der Straße Ausdruck verliehen. Es ist heute stiller geworden um diese Bewegung, aber ganz sicher nicht, weil der Friede jetzt überall da wäre.

Menschen sehnen sich nach Frieden. Und das ja nicht nur im weltweiten Kontext. Und nicht nur im Kontext einer pluralistischen Gesellschaft, in der sich manche Menschen heute fragen: Wieviel Vielfalt verkraften wir noch, um den Frieden nicht zu gefährden?

Auch im Kleinen sehnen sich Menschen nach Frieden, Frieden in Ehen und Familien, wo sich Menschen das Leben gegenseitig schwer machen. Wo Eltern nicht in Frieden mit ihren Kindern leben und umgekehrt. Und gerade erst liegt das Weihnachtsfest hinter uns mit seinen vielen Worten des Friedens. Der Lobgesang der Engel in Bethlehem: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Und jeder weiß: Bis heute ist vielerorts eben kein Friede auf Erden. Frieden bleibt ein Dauerthema.

Und da hinein kommt jetzt eben auch unsere neue Jahreslosung: Suche Frieden und jage ihm nach. Ein Satz, der aus einem alten Gebetslied stammt. Vom Charakter her ein Danklied eines Menschen, der massive Anfeindungen und Verfolgung erlitten hat. Der auf der Flucht ist vor einem, der ihm ans Leben will. Und der Gottes Beistand und Hilfe erfährt und in diesem Danklied jetzt eine Menge an Erfahrungen verarbeitet. Und in diesem Zusammenhang heißt es dann eben auch: Suche Frieden und jage ihm nach.

Das ist hier allerdings kein allgemeiner Friedensappell, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. An dieser Stelle hilft es uns, einmal genau hinzuschauen, wo der Satz eigentlich hingehört. Er ist im Grunde genommen die Antwort auf eine Frage. Er ist eingebettet in Gedanken, die mit der Frage beginnen – ich formuliere mal mit meinen eigenen Worten: Was muss ich tun, um glücklich zu sein und gut zu leben? Was muss ich tun, damit das Leben gelingt? Oder im Wortlaut nach der Zürcher Bibel: Wer will glückliche Tage sehen? Oder nach der Gute-Nachricht-Bibel: Wollt ihr möglichst lange glücklich sein? Das ist das Oberthema, um das es geht!

Und dann antwortet der Psalm auf diese Frage, was denn zu tun sei, um die Voraussetzungen für ein glückliches Leben zu schaffen. Und im Grunde genommen kommt jetzt eine dreiteilige Antwort: 1. Hüte deine Zunge vor Bösem! Was also musst du tun, um glücklich zu sein? Hör auf, schlecht zu reden! Hör auf, schlecht zu reden über andere Menschen. Hör auf zu schimpfen über die da oben. Oder über die Gemeinde. Es macht dich nicht glücklich und hilft niemandem. Hüte deine Zunge vor Bösem. Das kann auch heißen: Schlittere nicht immer haarscharf an der Wahrheit vorbei. Von bewusster Lüge und Täuschung mal ganz zu schweigen. Was musst du tun, um glücklich zu sein? Hüte deine Zunge vor dem Bösen. Das war die erste Antwort.

Die Zweite: Was musst du tun, um glücklich zu sein? Lass ab vom Bösen und tue Gutes. Es geht nicht nur um das Reden, es geht auch um das Tun. Gutes reden und Gutes tun. Ich lasse Dinge, die nach Gottes Maßstäben nicht gut sind und ich tue, was im Sinne Gottes ist. Die zweite Antwort.

Und schließlich der dritte Teil. Was musst du tun, um glücklich zu sein? Suche Frieden und jage ihm nach. Auf die Frage nach dem gelingenden Leben gibt es also eine dreiteilige Antwort: Rede Gutes, tue Gutes und suche Frieden – das wird dich zu einem glücklichen Menschen machen und nicht etwa die vielen Dinge, von denen Menschen heute glauben, dass sie glücklich machen: Geld, Auto, Haus, Urlaub – das ist alles schön, aber es macht im letzten nicht glücklich. Wie viele Menschen, reiche Menschen, die auf Erden alles erreicht haben und sich alles leisten können, sind verbittert und unglücklich. Dann denke ich an Menschen wie Thomas Middelhoff, den früheren Arcandor-Manager. Er war einer der reichsten Männer Deutschlands – und hat alles verloren. Seinen Reichtum. Seine Ehe. Seine Gesundheit. Und er bezeichnet sich heute als einen glücklichen Menschen, nachdem er zum Glauben gefunden hat und sein Leben an biblischen Werten ausrichtet.

Was musst du tun, um glücklich zu sein? Der Psalm gibt eine dreifache Antwort: Rede Gutes. Tue Gutes. Suche Frieden. So kann Leben gelingen. Unser Psalm bringt in diesem Zusammenhang noch einen anderen Begriff ins Spiel: Gottesfurcht. Und Gottesfurcht heißt ja: Gott in seiner Wirklichkeit erkennen und anerkennen und sein Leben entsprechend gestalten. Unsere dreifache Antwort macht es dann ganz praktisch, wie das unter anderem aussehen kann: Rede Gutes. Tue Gutes. Suche Frieden. Das ist Gottesfurcht.

Suche Frieden und jage ihm nach. Der dritte Teil dieser Antwort ist nun unsere Jahreslosung und da müssen wir nun noch etwas genauer hinschauen. Was meint unser Vers denn, wenn er von Frieden spricht? Der hebräische Text verwendet das bekannte Wort Shalom. Und Shalom ist nicht einfach Frieden im Sinne von Abwesenheit von Krieg und Streit. Shalom ist weit mehr. Wörtlich könnte man diesen Begriff übersetzen mit ´Ganzheit, Unversehrtheit` oder auch Heil. Ein Leben, das unversehrt und heil ist. Das betrifft innere Dimensionen genauso wie äußere. Es umfasst den ganzen Menschen mit Leib, Seele und Geist. Es betrifft das Miteinander der Menschen. Shalom in den Beziehungen, in denen wir stehen. Zwischen Eltern und Kindern. Unter Geschwistern und unter Eheleuten. Unter Kollegen und zwischen Chefs und ihren Untergebenen. Und nicht zuletzt – auch zu Gott. Shalom. Frieden. Wenn unser Bibelwort hier von Frieden spricht, hat das in erster Linie gar keine gesellschaftspolitische Dimension (wie in unzähligen Andachten zur Jahreslosung), sondern schaut auf das persönliche Leben und die Perspektiven, die jeder für sich entwickelt. Was musst du tun, wenn dein Leben gelingen soll und du glücklich sein willst? Gutes reden. Gutes tun. Frieden suchen. In den Beziehungen, in denen du stehst. Zu anderen Menschen. Zu dir selber. Zu Gott. Was das Leben im letzten gelingen lässt und glücklich macht, ist nicht mehr Geld, mehr Macht oder mehr Schokolade … Das kann man alles haben und doch nicht glücklich sein. Nein, was du brauchst, ist: Shalom.

Suche Frieden und jage ihm nach. Suchen und nachjagen – hinter etwas her sein. Das ist etwas sehr Aktives. Da investiert jemand seine ganze Kraft. Wenn jemand hinter etwas her ist, dann lässt er die Dinge nicht schleifen. Dann unternimmt er Anstrengungen, um sein Ziel zu erreichen. Dann richtet er seine Aufmerksamkeit darauf. Dann nimmt es Raum in seinem Leben ein. Kontinuierlich. Zum Beispiel: Da ist jemand hinter her, gesund zu leben. Oder da ist jemand hinter her, Müll zu vermeiden. Er achtet in allen Lebensbezügen darauf. Und jetzt also: Hinter her sein, dass Frieden geschieht. Shalom. Seine ganze Aufmerksamkeit darauf richten. Es zur Grundmelodie des Lebens werden lassen.

Suche Frieden und jage ihm nach. Es fängt wiederum an mit der Sprache. Rede Gutes. Setze deine Worte so ein, dass sie zu mehr Vertrauen und Wertschätzung beitragen. Etliche von euch kennen das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation. Mit der Sprache und Kommunikation fängt es an. Rede Gutes. Tue Gutes. Suche Frieden und jage ihm nach. Nicht umsonst formuliert der Psalm diese drei Dinge in dieser Reihenfolge. Frieden suchen kann ich nicht, wenn ich nicht auch Gutes rede und Gutes tue. Dafür bekommen wir tagtäglich genügend Beispiele frei Haus geliefert, das aggressive oder negative Rhetorik nicht zum Frieden führt. Gutes reden. Gutes tun. Dem Frieden nachjagen.

Unser Bibelwort gibt uns ein paar persönliche Fragen mit. Wie rede und wie denke ich über andere Menschen? Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Wie gehe ich mit mir selbst um? Und wie sieht das mit meiner Beziehung zu Gott aus? Welchen Stellenwert hat es für mich, mein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten? Suche Frieden und jage ihm nach. Wir fragen so oft nach Gottes Willen. Hier haben wir ihn dokumentiert. Gottes Wille hat immer Frieden, Shalom im Blick.

Und diese Linie führt unmittelbar ins Neue Testament, wo unser Vers mit seinem ganzen Zusammenhang wörtlich im ersten Petrusbrief zitiert wird, und zwar im Zusammenhang mit der Frage nach dem Segen. Wer im Segen leben will, der rede Gutes, tue Gutes und suche den Frieden und jage ihm nach. Wo wir das nicht leben oder sogar nicht leben wollen, berauben wir uns selber des Segens und des Glücks.

Suche Frieden und jage ihm nach – unsere neue Jahreslosung ist eingängig und braucht auf den ersten Blick wenig Erläuterung. Auf den zweiten Blick haben wir gemerkt, dass sie nur ein kleiner Teil einer großen Frage ist: Was muss ich tun, wenn ich glücklich sein will? Rede Gutes. Tue Gutes. Suche Frieden. So leben Menschen, die Gott fürchten. Und Gott segnet sie.