Gott auf die Nerven gehen?

Predigt zur Bibelstelle Lukas 18, 1 - 8

1 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten,

2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.

3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!

4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,

5 will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.

6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt!

7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen?

8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

 

 

kurze Zusammenfassung

  • Die Einleitung des Lukas setzt das Thema des Gleichnisses: beharrlich beten und nicht nachlassen. Das ist notwendig.
  • Kontext des Gleichnisses sind die Fragen rund um das Thema Wiederkunft Jesu, das will berücksichtigt werden.
  • Hauptakteur der Geschichte ist der korrupte und unwillige Richter, Nebenakteurin eine mittellose Witwe, die zu ihrem Recht kommen will.
  • Von dem Richter heißt es: Er wollte nicht! Aber die Frau war hartnäckig. Was führte zum Sinneswandel? Er will seine Ruhe haben.
  • Der abweisende unwillige Richter als Bild für Gott? Nein! Es geht nicht darum, einem unwilligen Gott nur lange genug auf die Nerven zu gehen, damit wir unseren Willen bekommen.
  • Dieses Gleichnis arbeitet aus dem Gegensatz heraus. Wenn schon dieser ungerechte und menschenfeindliche Richter der ihm unbekannten Frau zu ihrem Recht verhilft, wieviel mehr erst der Vater im Himmel seinen Auserwählten/geliebten Kindern!
  • Denn: Die Gläubigen wenden sich gerade nicht an einen unwirschen Typen, den sie weichklopfen müssen, sondern an den gütigen und barmherzigen Gott.
  • Das zweite Thema dieses Gleichnisses neben dem Gebet ist daher der Blick auf das Wesen Gottes! Wer ist der, zu dem wir beten?
  • Und jetzt der Kontext der Wiederkunft - und Jesus macht deutlich: Der Vater wird unsere Gebete nicht erst am Jüngsten Tag beantworten, sondern ´in Bälde`.
  • Am Schluss stellt Jesus die Frage nach dem Glauben - wenn Jesus am Ende der Zeiten wiederkommt, sollen seine Jünger im Glauben und Vertrauen nicht nachgelassen haben. Er will genau dieses Vertrauen vorfinden, das von der Art anhaltenden Betens ist.
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