Maßstäbe - auf den Kopf gestellt

Predigt zur Bibelstelle Markus 12, 41 - 44

41 Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte. Und viele Reiche legten viel ein.

42 Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Cent.

43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben.

44 Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.

 

kurze Zusammenfassung

  • Jesus hat viele Alltagssituationen genutzt, um seinen Jüngern zu Wachstum und einer guten Entwicklung in Glaube und Leben zu verhelfen. Sie sollen aus Alltagssituationen Grundsätzliches lernen.
  • In den Tagen vor seiner Verhaftung hielt sich Jesus mit seinen Jüngern in Jerusalem auf und war oft im Tempelareal, um dort zu lehren oder dem Treiben zuzuschauen.
  • Jesus beobachtet die Vorgänge an einem der dreizehn Opferbehälter: Viele Reiche legen viel ein. Positiv gesehen: Da gibt es etliche Reiche, die nicht auf ihrem Geld sitzen, sondern es spenden.
  • Gemeinden und Werke leben auch heute davon, dass Menschen großzügig spenden. Mit Centbeträgen kann man nichts bewegen.
  • Dann der Kontrast: eine arme Witwe. Witwen waren per se arm und standen am untersten Ende der sozialen Leiter, waren auf Almosen oder Bettelei angewiesen.
  • Die Witwe spendet zwei Lepta - die kleinste Münzeinheit. Das war alles, was sie hatte. Sie hat das Letzte, was sie hatte, ganz gegeben.
  • Jesus: Sie hat mehr als alle anderen gegeben. Das ist mathematisch falsch. Aber Jesus stellt die Maßstäbe auf den Kopf: Er redet nicht über den Geldwert.
  • Jesus redet davon, dass hier ein Mensch Gott aus tiefstem Herzen liebt und ihm alles zur Verfügung stellt, was er hat. (Vgl. Mk 12,33)
  • Während das Konto der Reichen nach der Spende nicht viel schmäler geworden ist, hat diese Witwe nach ihrer Spende nichts mehr übrig. Alles gegeben.
  • Sie hat mehr gegeben als alle anderen - Gott misst mit einem anderen Maß. Er sieht die Liebe und Hingabe dieser Frau.
  • Es kommt manchmal vor, dass Menschen sagen: Ich habe doch nichts einzubringen. An Geld. An Können. An Zeit. An Kraft. An Ressourcen. Aber: Jeder hat sein Maß.
  • Worum es Jesus nicht geht: Ein sozialethisches Programm aufzustellen, in dem es darum geht, dass ein Christ alles geben muss. Es geht nicht um ein neues Gesetz, was er hier begründet.
  • Diese Episode lehrt die, die aus dem Vollen schöpfen, Bescheidenheit. Und die, die meinen, sie haben nichts, die Gewissheit, dass das Geringe, das sie einbringen, vor Gott ungeheuer wertvoll ist. Es kann mehr sein als alles andere.