Wort zum Monat Januar

Gedanken zur Bibelstelle 5.Mose 5,14

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.   5.Mose 5,14

 

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade erst ist Weihnachten vorbei, da wird der erste Monat des neuen Jahres mit einem Bibelwort eröffnet, das für uns schon wieder ein großes Geschenk bereithält! Vielleicht übersehen wir es manchmal, weil es im Mantel eines Gebotes daherkommt.

Es gibt heute unzählige Bücher, die uns mitteilen wollen, wie das Leben und wie Beziehungen gelingen können. Im Grunde genommen hat Gott selber schon vor Jahrtausenden ein solches ´Buch` geschrieben – die Zehn Gebote, die er seinem Volk gegeben hat. Sie wollen genau das: die Beziehung zu ihm und die Beziehungen untereinander gelingen lassen.

Was beinhaltet also dieses ´Geschenk`?

Einen freien Tag! Nicht für ausgewählte Personen als Belohnung besonderer Verdienste. Nein: für jeden!! Und das sogar regelmäßig und lebenslang!

Gott gibt uns eine Grundregel für ein gelingendes Leben mit: den Rhythmus von Arbeit und Ruhe. Er selber hat es nach seinem sechstägigen Schöpfungswerk so gehalten: Sechs Tage Arbeit und ein Tag Ruhe. Diese Grundregel hat sogar einmal Eingang in unsere Gesetzgebung gefunden, wird aber immer mehr ausgehöhlt.

Die Krone der Schöpfung, so sagen wir manchmal, sei der Mensch. Hier würde vermutlich jeder jüdische Leser widersprechen und sagen: Nein! Die Krone der Schöpfung ist der Ruhetag! Mit ihm hat Gott seine Schöpfung vollendet. Nicht, weil Gott so müde gewesen und ihn gebraucht hätte, sondern schlicht, weil er es so gewollt hat: ein Ruhetag. Im hebräischen Text finden wir das bekannte Wort ´Schabbat`, was in seiner Verbform ´ruhen, aufhören` bedeutet.

Aber was bedeutet es denn nun, keine Arbeit tun zu dürfen? (Interessant übrigens das hebräische Wort für Arbeit an dieser Stelle: Maloche!) Geht es hier nur um die Erwerbsarbeit oder gar um jegliche Hausarbeit?

Wer so fragt, hat den Sinn des Gebotes noch nicht verstanden. Es geht nicht darum, Listen zu entwickeln, was erlaubt und verboten ist. Jesus hat es in einem Konflikt einmal deutlich gemacht: Der Ruhetag ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Ruhetages willen. Der Ruhetag ist das großartige Geschenk, alle Arbeit und alles Lernen (!) ruhen lassen zu dürfen. Wenn die inneren Antreiber flüstern, darfst du zurück flüstern: Gott hat mir heute frei gegeben! Und das Geheimnis lautet tatsächlich: Sechs ist mehr als sieben! Es geht also nicht um penible Arbeitsvermeidung, die ein neues Joch für mich bedeutet. Es geht um einen Freiraum, den Gott schenkt. Die Regeln und Gebote sind dazu da, Leben gelingen zu lassen. Beziehungen gelingen zu lassen. Zwischen Gott und Mensch. Und unter Menschen. Gebote sind auch dazu da, den Menschen vor sich selber zu schützen.

Nun gibt es da allerdings so eine Art Zweckbindung dieses Geschenkes! Wie heißt es im Text? Ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott (geweiht – ergänzt die Übersetzung, damit es ein vollständiger Satz wird). Der Ruhetag soll zuallererst ein Tag sein, der mir Freiraum gibt, die Beziehung zu Gott zu gestalten und zu pflegen. Das tun wir natürlich täglich. Aber der Ruhetag bietet eben besonderen Freiraum dafür. Dass wir bis heute am Ruhetag Gottesdienst feiern, hat seinen guten Sinn und ist Ausdruck dessen, dass wir uns bewusst Zeit nehmen, Gott zu begegnen, auf ihn zu hören und ihn zu feiern. Das Gebot ist nicht damit erfüllt, dass man alle Arbeit ruhen lässt, sondern dass man den Tag heiligt. Stell dir vor, dein Partner (so du einen hast) schenkt dir einen Gutschein für einen schönen Abend zu zweit in einem Restaurant. Du bedankst dich – und schickst ihn allein hin! Ist das nicht komisch? Mit dem Ruhetag macht es mancher so. Gott schenkt uns einen Tag mit besonderem Freiraum für Zeit mit ihm. Aber mancher verbringt ihn allein ohne Gott.

Und schließlich: Der Ruhetag gilt ausnahmslos (!) für jeden! Auch die Fremden sind ausdrücklich miteingeschlossen, die unter Umständen einen anderen Glauben haben. Selbst für die Tiere ist Ruhetag. Die Ruhe gilt allen gleich. Mancher wählt heute gern die Option: Weil ich den Ruhetag genießen will, lasse ich andere arbeiten. Zum Beispiel in der Gastronomie. Das Gebot schließt aber ausdrücklich auch die ´Sklaven und Mägde` mit ein. Von daher ist es zumindest problematisch, wenn wir es in Kauf nehmen, dass andere am Ruhetag für uns arbeiten müssen, damit wir den Ruhetag genießen können. Aber die haben doch dann unter der Woche frei. Ja, aber! Da gibt es keinen Gottesdienst. Und auch Beziehungen können nur schwer gepflegt werden, weil die anderen ja arbeiten. Wir leben in Beziehungen, die nur dann gepflegt werden können, wenn es gemeinsame freie Zeit gibt.

Am Anfang des neuen Jahres bekommen wir ein Bibelwort mit einem großartigen Angebot: ein Ruhetag. Wir sind herausgefordert, damit verantwortlich vor Gott und voreinander umzugehen. Nicht über haarkleine Nuancen zu diskutieren, sondern den Sinn des Gebotes zu achten und den Ruhetag entsprechend zu gestalten – mit Zeit für Gott und füreinander. Der Mensch lebt nicht von seiner Unermüdlichkeit, sondern von Gottes Segen!                                                                              

Frank Wegen