Personen der Kirchengeschichte: Eduard Scheve

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Jahr haben wir an dieser Stelle Persönlichkeiten der Reformationszeit und des Baptismus vorgestellt. Wir hoffen, dass ihr die Reihe interessant und anregend fandet. Heute nun die vorerst letzte Person: Eduard Scheve.

Eduard Scheve wurde am 25. März 1836 in eine eingesessene Volmarsteiner Familie in Nordrhein-Westfalen geboren. Schon als junger Mann war er bemüht ein betont christliches Leben zu führen. 1854 lässt er sich von dem deutsch-amerikanischen Theologieprofessor und Baptistenprediger August Rauschenbusch taufen und schließt sich der neugegründeten Volmarsteiner Baptistengemeinde an.

Durch seine Wanderschaft als Schneidergeselle kommt er nach Hamburg und er schließt sich der dortigen Baptistengemeinde an. Schnell engagiert er sich und er gründet eine Sonntagsschule und übernimmt Predigtdienste im Umland. Seine Begabung als Missionar wird entdeckt und gefördert und er wird in die Region Brake entsandt. 1864 wird er, wie viele andere Freikirchlicher damals auch, inhaftiert und zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Gnadengesuch beim Fürsten erlässt ihm die Haft. Später wirkt er als Pastor in verschiedenen Gemeinden, u.a. in Berlin. Dort stirbt er am 10. Januar 1909.

Die Spuren von Eduard Scheve sind auch heute noch im BEFG zu finden. So hat er 1863 den »Bund der Jünglingsvereine« gegründet. Dieser ist Vorläufer des heutigen Gemeindejugendwerks.

Von 1875 bis 1908 war er leitendes Mitglied im Komitee des deutschen Zweigs der Evangelischen Allianz. Wie bereits zu lesen war, war auch Johann Gerhard Oncken der Allianz eng verbunden.

Die Diakonissenanstalt Bethel Berlin, das erste Diakoniewerk der Baptisten in Deutschland, wurde von ihm 1887 gegründet.

Darüber hinaus setzte sich Scheve für eine Missionsarbeit in Kamerun ein. Seit 1884 war Kamerun deutsche Kolonie. Als erste Missionare der deutschen Baptisten reiste das Ehepaar August und Anna Steffens am 10. November 1891 nach Kamerun aus. Nach dem Ersten Weltkrieg und den veränderten politischen Machtverhältnissen war die Missionsarbeit nur eingeschränkt möglich. Mit Beginn des Dritten Reiches wurde die Missionsarbeit nahezu aufgegeben.

Scheve selbst bildete anfangs die Mitarbeiter selbst aus, indem er begabte Söhne von Häuptlingen bei sich aufnahm. Über diese sagte er: „Unsere schwarzen Brüder betrachten sich bereits als zu uns deutschen Baptisten gehörig, und damit thun sie recht“ (Scheve 1890).

Bild: Eduard Scheve als Gründer der Kamerun-Mission: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Scheve.JPG&filetimestamp=20100517230859&

Katja Rabold-Knitter

 

Quellen: Rothkegel, Martin: 175 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland. Folge3/12.

Balders, Günter: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland 1834-1984. Festschrift. 1989 Wuppertal und Kassel.