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Dienstag, 01. August 17 um 00:00 Alter: 23 Tag(e)
Kategorie: Wort zum Monat, Aktuelle News
Von: Kai Wilhelm

Wort zum Monat August

Gedanken zur Bibelstelle Apostelgeschichte 26,22

 

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.

(Apg 26,22)

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde! 

Paulus war auf Betreiben der jüdischen Obrigkeit mit falschen Anschuldigungen in Jerusalem verhaftet und von der römischen Besatzungsmacht in Gewahrsam genommen worden. Den Römern war bald klar, dass Paulus sich nach römischem Recht keines Vergehens schuldig gemacht hatte, sondern wegen angeblicher Verstöße gegen das jüdische Gesetz angeklagt wurde. Weil Paulus als römischer Bürger sich auf den Kaiser berief, sollte er zu ihm nach Rom gebracht werden. Da tat sich für den römischen Statthalter von Judäa (Porcius Festus) ein Problem auf: Was sollte er dem römischen Kaiser (Nero) als Anklagepunkte aufschreiben, wenn er selber kaum verstand, worum es ging? Als dann König Herodes Agrippa II. (ein am römischen Kaiserhof erzogener Jude) zu Besuch kam, bot es sich an, diesen um Rat zu fragen und gemeinsam Paulus zu verhören.

Der Monatsspruch stammt aus der Rede des Paulus vor diesen beiden Herrschern. Paulus nutzt die Gelegenheit ihnen sein Bekehrungserlebnis zu erzählen und bezeugt Jesus als den verheißenen Messias und dessen Auferstehung von den Toten. Paulus spricht zu einem Zeitpunkt (ca. 58 n. Chr.), zu dem er bereits auf drei Missionsreisen und die Abfassung vieler uns überlieferter Briefe zurückblicken kann.

Vier Punkte fallen mir auf und regen mich zu Fragen an.

Erstens zieht er eine beachtliche Bilanz: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag.“ Das sagt einer, der nach eigenen Angaben (2. Kor 11,23-28) unter anderem eine Steinigung, dreimal Schiffbruch, mehrere Prügelstrafen und einige Mordanschläge hinter sich hat. Auf der einen Seite verständlich, dass er sagen kann, dass er das (nur) mit Gottes Hilfe überlebt hat. Auf der anderen Seite: Kämen mir nicht bereits bei einer Prügelstrafe oder einmal Schiffbruch Zweifel an Gottes Hilfe, wenn er mich nicht davor bewahrt? Musste das wirklich sein? Wie konnte Gott das zulassen? Paulus zeigt solche Zweifel nicht. Vielleicht bin ich aber auch deshalb unsicher im Blick auf solche Bedrohungen (die ich zum Glück nicht wirklich kenne!), weil ich nicht solche Risiken eingehe, wie sie Paulus in seinem Eifer für Christus in Kauf genommen hat?

Zweitens sagt Paulus voller Selbst- (oder eher Gottes-) Bewusstsein: Hier stehe ich nun! Zu dem Zeitpunkt war Paulus bereits seit zwei Jahren in Haft. Sein Prozess war aus taktischen Gründen verschleppt worden, und es hatte (aus meiner Sicht) quälend lang keine Bewegung in seinem Fall gegeben, weder Richtung Freilassung noch Richtung Überführung nach Rom. Es ging einfach nicht voran. Doch Paulus erscheint hier nicht ob des langen Wartens in Gefangenschaft zermürbt, sondern er vertritt ungebrochen seinen Standpunkt. Der Satzteil erinnert mich an die Worte des Reformators Martin Luther, der gesagt haben soll: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Wie klar und kraftvoll werde ich wahrgenommen, wenn ich von Jesus Christus rede?

Drittens bewundere ich das eindeutige Bekenntnis des Paulus: „Ich bin sein Zeuge.“ Ein Zeuge hat eine ernst zu nehmende Aufgabe und etwas Wichtiges zu sagen. Seine Aussage soll Klarheit in eine Angelegenheit bringen. Paulus ist sich zudem bewusst, dass er nicht für irgendjemanden, sondern für Gott Zeuge ist. Gleich im nächsten Vers bezeugt er die Auferstehung Jesu Christi, dem er bei seiner Bekehrung begegnet ist. Auch ich habe Jesus Christus als lebendigen Herrn kennengelernt. Ist auch bei mir noch eine solche kraftvolle Überzeugung zu spüren? Bin ich mir bewusst, dass ich als Nachfolger Christi sein Botschafter in dieser Welt bin? Habe ich meinen Auftrag ebenfalls so klar vor Augen wie offensichtlich Paulus? Dass das nicht ohne ist, kann man bereits nur einen Vers weiter sehen: Paulus wird spontan unterbrochen und zumindest von seinem heidnischen Zuhörer für verrückt erklärt. Das ist mir so ähnlich auch schon passiert. Bin ich deshalb vielleicht etwas vorsichtiger, weniger eindeutig in meiner Wortwahl?

Viertens sieht Paulus seine Aufgabe völlig unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung seines Gegenübers. Er ist Zeuge bei Groß und Klein. König oder Sklave, das ist ihm völlig egal. Oberbürgermeister oder Kind, spielt das auch für mich keine Rolle? Bin ich bereit allen gleichermaßen Jesus Christus als das Licht der Welt zu bezeugen?

Wie ihr seht, finde ich einige herausfordernde Aspekte in diesem Vers. Fragen an mich und auch an dich. Wie geht es dir damit?

                                                                                                                                                                                               Euer Kai Wilhelm


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