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Dienstag, 01. August 17 um 00:00 Alter: 23 Tag(e)
Kategorie: Personen der Kirchengeschichte, Aktuelle News
Von: Frank Wegen

Personen der Kirchengeschichte

Johannes Calvin (1509 - 1564)

 

Zum Reformationsjahr

500 Jahre Reformation – das ist weit mehr als Martin Luther. Die Reformation war ein breiter Strom von Menschen und Bewegungen mit dem Ziel, die Kirche zu erneuern.

Auch wenn in unserer Wahrnehmung in Deutschland sich das Geschehen der Reformation um Martin Luther herum ereignete, lässt sich ganz klar sagen, dass hinsichtlich der weltweiten Wirkungsgeschichte ein anderer Reformator wesentlich erfolgreicher war: der Genfer Reformator Johannes Calvin. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den Niederlanden sowie in Schottland konnte der Calvinismus Fuß fassen und vor allem seine Reise in die Neue Welt antreten. Ganz Nordamerika ist durch das Christentum calvinistischer Prägung bestimmt und auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung atmet die Luft calvinistischer Gedanken. Die Gründerväter des Baptismus, Thomas Helwys und John Smyth, waren ebenfalls theologisch stark von Calvin geprägt. Und nicht zuletzt natürlich die Hugenotten, die unsere Stadt Erlangen so maßgeblich mitgeprägt haben.

Johannes Calvin wurde 1509 in Nordfrankreich geboren. Nach dem Willen seines Vaters, der sich mit der Kirche überworfen hatte, begann er, Jura zu studieren. In dieser Zeit kam er erstmals in Berührung mit Anhängern des deutschen Reformators Martin Luther. Nach dem Tod seines Vaters gab Calvin das Jurastudium auf und widmete sich ganz den Geisteswissenschaften. Jetzt besuchte er auch heimlich eine Versammlung von Anhängern reformatorischer Theologie. Als einer seiner Freunde aus diesem Kreis Rektor der Pariser Universität wurde, wagten sie den Schritt an die Öffentlichkeit, bekannten sich offen zur reformatorischen Theologie und erklärten sie als rechtmäßige Lehre. Das konnte nicht gut gehen! In Frankreich setzten grausame Verfolgungen der Evangelischen ein und Calvin und andere mussten untertauchen.

Calvin floh in die Schweiz und lebte unter einem Decknamen zunächst in Basel, wo er begann, umfangreichere reformatorische Schriften zu verfassen. Unter anderem entstand hier auch eine seiner bedeutsamsten Schriften, die Institutio Christianae Religionis (dt. Unterricht in der christlichen Religion), die eine Art Zusammenfassung christlicher Lehre calvinistischer Prägung darstellte und die Calvin sein Leben lang weiter entwickelt und überarbeitet hat. Dieses Werk machte Calvin endgültig einer großen Öffentlichkeit bekannt.

Um 1536 begann Calvin, in Genf zu wirken, wohin er vom Genfer Reformator Farel gerufen wurde. Von seinem Privatleben ist nur wenig bekannt; 1540 heiratet Calvin, das einzige Kind der Eheleute stirbt kurz nach der Geburt.

In Genf bildete sich Stück für Stück Calvins Ethik sowie seine von strenger Kirchenzucht geprägte Gemeindeordnung heraus.

Auch Calvins umstrittene Prädestinationslehre nahm allmählich Gestalt an, nach der für jeden Menschen von vornherein festgelegt ist, ob er zum Heil oder zum Verderben bestimmt ist. Auf welche Seite man gehöre, zeige sich am Erfolg auf Erden. Interessanterweise übernahm Calvin nur drei der vier Grundwerte der Reformation: Allein Christus – allein aus Glauben – allein die Schrift. Das ´allein aus Gnade` findet sich bei ihm nicht.

Die Einheit der protestantischen Kirchen war Calvin ein Anliegen. Mit der Zürcher Reformation kam es unter Zwinglis Nachfolger Heinrich Bullinger  zu einer Annäherung. 1549 schloss man eine Übereinkunft.

Calvin kämpfte für eine Kirche, die unabhängig von weltlicher Obrigkeit ist. Dazu gehörte für ihn auch, dass nicht die weltliche Obrigkeit bestimmt, welchen Glaubens ihre Untertanen sind. Religionsfreiheit wird hier bereits in ihren Anfängen zu einer Forderung. In den Kirchengemeinden führte Calvin eine nicht-hierarchische Kirchenordnung sowie das Amt der Ältesten ein. Auf übergeordneter Ebene sollte ein Synodalsystem eingesetzt werden. Bereits hier werden demokratische Strukturen sichtbar. Calvinistisches Denken trug so zum Entstehen der amerikanischen Demokratie und der Forderung nach Menschenrechten und Religionsfreiheit bei.

Berüchtigt war allerdings die strenge Kirchenzucht Calvins. Spektakulär war der Fall des Arztes Michael Servet. Weil er die Trinitätslehre ablehnte, wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nicht zuletzt auch durch Bestreben Calvins. Damit allerdings war Calvin nicht allein. Zur Hinrichtung des Arztes Servet bekam er einen schriftlichen Glückwunsch von Philipp Melanchthon!

Bekannt wurde Calvin auch für seine Berufs- und Arbeitsethik. Ehrlichkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Disziplin sowie der Verzicht auf Luxus und Vergnügungen, das alles gehörte zur calvinistischen Ethik, die in der westlichen Welt oft zur Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung in späteren Jahrhunderten wurde. Indirekt wurde der Calvinismus so auch zu einer Triebfeder für den Kapitalismus.

Mittlerweile war Calvin ein sehr einflussreicher Mann in Genf. Als seine Anhänger auch auf politischer Ebene im Genfer Stadtrat die Mehrheit errangen, wurden alle politischen Gegner ausgeschaltet. Aus Verfolgten waren Verfolger geworden. Eine große Tragik, die sich in der Kirchengeschichte immer wieder ereignet hat.

Der völlig ruhe- und rastlose Reformator starb 1564, gerade einmal 54 Jahre alt. Die reformierten Kirchen sowie Presbyterianer und Kongregationalisten und damit auch wir als Baptisten sind nachhaltig durch Calvins Theologie und Wirken geprägt worden.

 

Frank Wegen

 

 


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