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Mittwoch, 01. März 17 um 00:00 Alter: 61 Tag(e)
Kategorie: Personen der Kirchengeschichte
Von: Frank Wegen

Personen der Kirchengeschichte

Huldrych Zwingli (1484 – 1531)

 

 

 

Wenn man im Zusammenhang mit der Reformation von den drei großen Reformatoren spricht, dann meint man Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin.

Mit Huldrych Zwingli verbinden sich die Anfänge der Reformation in der Schweiz. Zwingli stammt aus einer bäuerlichen Familie im heutigen Kanton St.Gallen. Er hatte das Vorrecht, eine gute schulische Bildung genießen zu können und schloss ein Magisterstudium an seine Schullaufbahn an. 1506 wurde Zwingli zum Priester geweiht – wohlgemerkt ohne spezielles Theologiestudium, was damals nicht unüblich war. Um 1515 machte er die Bekanntschaft mit dem wohl führenden Humanisten Europas, Erasmus von Rotterdam, was dazu führte, dass er nun Griechisch lernte, um das Neue Testament im Urtext lesen zu können. In den folgenden Jahren wird Zwingli wie auch  Luther zu einem Theologen des Wortes. Nur was ausdrücklich in der Bibel zu finden war, sollte auch in der Kirche vorgefunden werden.

1519 wird Zwingli als Priester an das Züricher Großmünster berufen, wo er seine reformatorische Tätigkeit in den folgenden Jahren wirkungsvoll entfaltete. In etwa zu dieser Zeit nahm er verstärkt Impulse Martin Luthers auf und begann selber, reformatorische Schriften zu verfassen, in denen er sich radikal gegen verschiedenste Praktiken und Lehren der römischen Kirche wandte und in drei Zürcher Disputationen 1523/1524 mit den Theologen der römischen Kirche rang.

In dieser Zeit begann Zwingli auch mit einer Neuübersetzung der Bibel aus den Ursprachen, die er 1529 abschloss. Diese Übersetzung ist bis heute als die ´Zürcher Bibel` bekannt und die älteste protestantische Bibelübersetzung der gesamten Bibel! (Martin Luthers Übersetzung wurde erst fünf Jahre später fertig.) Bis heute ist die Zürcher Bibel die ´Hausbibel` der reformierten Kirchen (in Erlangen: Hugenottenkirche) und auch vieler Baptistengemeinden. (Auch ich bin mit der Zürcher Bibel groß geworden. Bis weit ins Theologiestudium hinein habe ich nie eine Lutherbibel besessen.)

Auch wenn Zwingli in vielen theologischen Fragen mit Luther einig war, war er in manchen Punkten konsequenter. Das zeigte sich vor allem in Fragen des Gottesdienstes und des Abendmahles. 1525 hat Zwingli die Messe abgeschafft und reine Wortgottesdienste eingeführt, die auf Deutsch gehalten wurden. Sämtliche Bilder wurden aus den Kirchen entfernt, nur Bibelworte wurden als ´Schmuck` akzeptiert. Auch den Zölibat schaffte er ab. Zwingli setzte sich dafür ein, dass angehende Priester die Bibel studierten, damit diese sich im Volk verankerte. Beim Abendmahl erhielt die Gemeinde nun Brot und Kelch (bisher war der Kelch dem Priester vorbehalten); das Abendmahl verstand Zwingli als ein Gedächtnismahl und eine Wandlung von Brot und Wein lehnte er ab. (Das im Baptismus vorherrschende Abendmahlsverständnis entspricht dem, was Zwingli aus der Bibel wieder herausgearbeitet hat.)

Über diesem Thema kam es dann 1529 zum großen Bruch mit Luther. Während der Marburger Religionsgespräche, die eigentlich dazu dienten sollten, durch ein Bündnis der beiden großen Reformatoren die Reformation europaweit zu voranzubringen, kam es zum offenen Bruch. Fortan ging man getrennte Wege.

Zwingli wurde radikaler und versuchte, mit immer mehr Zwang seine Prinzipien durchzusetzen. Wer sich nicht von der Reformation überzeugen ließ, sollte eben durch das Schwert überzeugt werden. So trat er auch der Täuferbewegung äußerst vehement entgegen und scheute vor Gewalt nicht zurück. Wer nicht widerrief oder die Gegend verließ, musste mit dem Tod rechnen. Der erste Märtyrer unter den Schweizer Täufern war Felix Mantz (Porträt im April-Gemeindebrief).

1531 starb Zwingli, als er als Feldprediger mit in eine Schlacht der Zürcher gegen die katholischen Kantone zog, zu der er gedrängt hatte. Es bewahrheitete sich das Wort Jesu: Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen.  

Neben seinen großen Verdiensten für die Reformation werden vor allem gegen Ende seines Lebens Schattenseiten eines Mannes sichtbar, der in manchem übers Ziel hinausschoss. Dennoch wurde sein Wirken zum Grundstein für die Entstehung der Reformierten Kirche.

Frank Wegen


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