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Montag, 01. Mai 17 um 00:00 Alter: 89 Tag(e)
Kategorie: Wort zum Monat
Von: Frank Wegen

Wort zum Monat Mai

Gedanken zur Bibelstelle Kolosser 4, 6

 

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.   Kolosser 4, 6

 

Liebe Leserinnen und Leser,

er war schon etwas älter, recht groß und ziemlich kräftig. Er stand auf einer Kiste auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt. Mit heiserer Stimme schrie er und gestikulierte wild mit einer Hand, während er in der anderen eine große aufgeschlagene Bibel hielt. Er wollte das Evangelium von Jesus Christus öffentlich zu Gehör bringen. Er tat es wie ein Marktschreier, der seine Ware anpreist. Er wirkte dabei bedrohlich und aggressiv. ´Wieder ein Betrunkener`, haben manche Passanten gemurmelt und einen großen Bogen um ihn gemacht.

Es gehört zu unserem Glauben dazu, ihn mit anderen Menschen zu teilen. Auch durch Worte. Unser Monatsspruch für Mai ist keine Allerweltsregel aus einem Kommunikationsseminar der Antike. Er gehört in den Zusammenhang der Weitergabe des Evangeliums und berührt damit einen Grundauftrag der Gemeinde Jesu. Paulus gibt in den Schlussbemerkungen des Kolosserbriefes dazu einige Hinweise, die es auch für uns heute zu beherzigen gilt. Denn es ist nicht nur wichtig, dass wir über den Glauben reden. Es ist auch nicht nur wichtig, was wir über den Glauben reden. Es ist auch wichtig, wie wir über den Glauben reden. Und dazu entfaltet Paulus eine Grundregel, denn er spricht davon, wie es allezeit sein soll.

Dabei stehen ihm offenbar ganz bestimmte Situationen vor Augen, wie aus dem Fortgang des kurzen Satzes deutlich wird:´ … damit ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. ` Er denkt hier weniger an den Mann auf der Apfelsinenkiste. Er denkt auch nicht an die Eröffnung von Propagandafeldzügen für Christus. Er denkt an die Situationen, die sich mitten im Alltag ergeben können. Denn damals wie heute leben wir als Christen inmitten einer Bevölkerung, die unseren Glauben in der Regel nicht teilt und ihn durchaus in Frage stellt. Ganz unerwartet können Gelegenheiten entstehen, den Glauben zu bezeugen. Können Fragen kommen, wo Freunde oder Kollegen genauer wissen wollen, was unseren Glauben ausmacht. Es können auch kritische Anmerkungen kommen, auf die wir zu reagieren herausgefordert sind.

Da kommt es natürlich zum einen darauf an, dass wir in der Lage sind, über unseren Glauben zu sprechen und Rede und Antwort zu stehen. Wenn sich Studenten auf Prüfungen vorbereiten, dann überlegen sie sich oft, welche Fragen denn kommen könnten. Sie bereiten sich darauf vor. Auch in Glaubensgesprächen gibt es Fragen, die immer wiederkehren. Sind wir darauf vorbereitet? Sind wir mit den Grundfragen des Glaubens und der Bibel so vertraut, dass wir Auskunft geben können?

Aber das ist eben nur die eine Seite. Paulus hebt in seinem Satz eine andere Seite hervor. Nämlich das Wie unserer Antwort: Allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

Manchmal verstehen die Menschen nicht, was wir ihnen sagen wollen. Aber sie spüren auf jeden Fall, ob wir ihnen wohlwollend und freundlich zugewandt sind oder ob wir ihnen die Bibel um die Ohren schlagen, um ´unsere Mission` zu erfüllen. Der Ton macht die Musik: Gott möchte freundliche Boten, die nicht drohen und drängen. Er möchte Boten, die seine Freundlichkeit widerspiegeln. Die einen angemessenen Ton treffen. Die mit ihrem Gegenüber wertschätzend umgehen. Die eine gute Art haben, die Türen öffnet. Das Evangelium birgt dann die Kraft in sich, selber Wirkung zu entfalten, ohne dass wir mit Gewalt nachhelfen. Freundlich soll unsere Rede sein, nicht hart und herb. Einladend, nicht bedrohlich.

Zur Freundlichkeit tritt noch ein zweites Merkmal hinzu: mit Salz gewürzt. Nicht versalzen, sondern so dosiert, dass die Speise genießbar ist. Dass sie nicht fad und langweilig daherkommt, sondern das gewisse Etwas hat. Manche Menschen haben den Eindruck, dass der Glaube langweilig und öde sei. Und leider gibt es Gläubige, die diesen Eindruck bestätigen, weil sie so in ihrer kleinen Welt gefangen sind, dass sie sich gar nicht auf die Fragen des anderen einlassen können. Mit Salz gewürzt - keine Süßspeise, sondern ein herzhaftes Gericht. Glaube, der deutlich artikuliert wird und zur Sprache bringt, dass es eben nicht zuerst um moralische Werte geht, sondern dass Christus im Zentrum unseres Glaubens steht. Es braucht eben die richtige Würze in der richtigen Dosierung, damit das Essen gut bekommt und verdaut werden kann.

Und zu guter Letzt: In den Sätzen vor unserem Vers findet sich noch ein ganz entscheidender Hinweis, der nicht unterschlagen werden darf: Betet! Die Grundlage für alles Reden über den Glauben ist das beharrliche Gebet: Betet, damit Gott eine Türe für das Wort öffnen möge! (V.3)

Unser Monatsspruch lädt uns ein, im neuen Monat (und nicht nur dann) offen zu sein für die Begegnungen mit den Menschen, die uns Gott in den Weg stellt. Das Evangelium zu Gehör bringen – freundlich und mit Salz gewürzt. Das Evangelium will die Herzen erreichen. Auch durch dich!

Frank Wegen


 
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